Friday, June 15, 2012

Transsib, Tag 1

Na gut, wir sind also in der transsibirischen Eisenbahn. Der große Traum, das große Abenteuer, die Sache, bei der die Meisten mit einem gutgesinnten 'du Arsch' reagiert haben, oder einem 'wow'. In jedem Fall in einem mystischen Zug der Legenden, geheimnisumwittert und legendenumrankt, wobei aber niemand so genau weiß, warum denn eigentlich. Egal, cool jedenfalls. Und dann noch die dritte Klasse, das ist ja allerhand. In einem 56er abteil, wie dass wohl gehe. Mutig, mutig.

Was nun genau daran cool sein soll, 11 Tage (bei gesamter Strecke) in einem Zug zu sein, muss noch herausgefunden werden. Kommt wohl auch darauf an, was man sich so vorstellt unter 'Russen', 'Zug' und die Kombination der beiden. Rohe Gesellen (Russen sind immer männlich) in groben Zügen. Die Hälfte davon ehemalige Speznas, die andere Gewaltverbrecher auf dem Weg ins oder aus dem Gulag. Gegröle und Mittrinkzwang unter Androhung von Waffengewalt. Die härtesten, jene, die keine Angst zeigen, wuerden dann ihre Männlichkeit beim wodkatrinken unter Beweis stellen dürfen, und sich so als wuerdig Erweisen, die Fahrt zu überleben. Oder so.

Bislang, und das sind immerhin 2 Stunden, läuft alles freilich ganz ans ab. Es ist hier bemüht ruhig, die Leute sind großteils 45+ Jahre aus vermutlich einfachen Verhältnissen. Ein paar Russen in unserem Alter sind auch hier, und eine Russin, bei der sich die kurze Zugbekleidung (hier läuft ja jeder und jede in kurzen Hosen rum) durchaus als sehenswert erweist. Unsere Kojennachbarin hat es bislang vermieden uns anzusehen, zumindest, bis sie die ganzen bunten Würfel des WürfelUNO Spiels entdeckt hat, das bricht dann das Eis. Mal sehen, ob wir ihr das Spiel beibringen können.

Der Zug selbst ist ziemlich luxuriös, für dritte Klasse jedenfalls. Nicht wenig Platz in bad und wc, Betten eng aber nicht unbequem. Und ab jetzt dann vier Tage im Zug. Na gut, wie das gehen soll, ist mir noch nicht ganz klar, aber wir werden sehen.

Position:Moskau

Saturday, June 12, 2010

Eisblumen

Hallo Ihr Lieben,

Nach langer, langer Zeit wieder mal eine Kurzgeschichte. Ich hab mich ein wenig gespielt und stilmässig etwas neues probiert, und wuerde mal sagen, das ist nur mäßig geglueckt :). Aber gut. Hier sind die Eisblumen.


In einem tief verschneiten Tal sieht ein alter Mann aus dem Fenster und wartet. Er wird sicher bald gerufen werden.

Wie immer seine Blicke nicht von den Eisblumen lösen, die zwischen den Doppelfensterscheiben wachsen. Für ihn sind sie ein Zeichen der Ewigkeit, eben weil sie so vergänglich sind. Sie werden schmelzen, und sie werden nach demselben Muster neu entstehen. Jedesmal anders, in immer gleicher Perfektion. Phoenix, denkt er, war nichts dagegen. Ihn gab es nur einmal, doch Eisblumen entstanden überall auf der Welt auf dieselbe Weise, nach demselben makellosen Muster, sogar hier. Auf jene seltsame Weise, in der Überzeugungen manchmal wie aus dem Nichts erscheinen, stellt er fest, dass nichts Lebendiges dieser einfachen Eleganz jemals ebenbürtig sein könnte.

Dann fällt ihm eine Bewegung auf, und er sieht in Richtung der Berge. Von dort führt ein verschlungener Pfad zu der Hütte, und über diesen Weg kommt eine kleines Mädchen gelaufen. Nichts an diesem Anblick ist für den altem Mann überraschend. Er hat seltsameres gesehen, seit er hier angekommen ist. Der Schnee des Pfades knirscht trocken unter ihren nackten Füßen, und eigentlich müsste sie in ihrem leichten Sommerkleid bitterlich frieren. Und doch ist sie das Sinnbild eines fröhlichen kleinen Mädchens. Eines der jener Art, dass seiner Mutter an einem Sommertag eine selbstgepflückte Blume schenkt und dabei das stolzeste Mädchen der Welt ist. Eines Mädchens, dass sich nichts Schöneres vorstellen kann, als im Garten der Hauskatze nachzujagen.

Das kleine Mädchen betritt die Hütte und sieht sich neugierig um, doch es gibt hier nur wenig, dass ihre Aufmerksamkeit fesseln könnte. Ein schmuckloser Holzbau mit einer kleinen Feuerstelle in der Mitte. Ein grober Holztisch mit ein paar Stühlen, eine schlichte Schlafstatt die zur Not auch mehreren Leuten Platz geboten hätte. Hier gab es nichts, was die Aufmerksamkeit von einem selbst abgelenkt hätte. Das ist der Zweck dieses Orts.

“Hallo Grossvater” begrüsst ihn das kleine Mädchen, “bist du denn ganz alleine hier? Sind die anderen alle schon gegangen?”

“Hallo meine Kleine” sagt der alte Mann sanft “ja, es kommen nicht mehr viele hierher. Und nur wenige bleiben so lange wie ich. Ich kann noch nicht gehen. Er wird mich bald rufen.”

In letzter Zeit war es hier ruhig geworden. Über lange Zeit hinweg, draussen wohl mehrere Jahre, waren sie in Strömen gekommen. Waren den Pfad hinabgestiegen, hatten in der Hütte ein wenig verweilt und waren danach entschwunden. Der Alte Mann hatte sich nicht um sie gekümmert, aus seinem Fenster hinausgesehen und die Eisblumen betrachtet. Sie mochten sich aufgegeben haben, aber er nicht. Er würde sicher bald gerufen werden. Wärend er wartete versiegten die Ströme langsam, ganz so, als wäre draußen nicht mehr genug übrig um sie zu speisen. Es kamen immer weniger Reisende, und schließlich trafen sie nur noch sehr vereinzelt ein. Es gab wohl nicht mehr viele da draußen.

Das kleine Maedchen sah ihn mitfühlend an. “Du wärst nicht hier, wenn er das tun würde. Komm, wir können gemeinsam gehen, wenn du willst”, sagte sie und streckte ihm die Hand entgegen. “Hier will ich sowieso nicht bleiben, hier ist es mir zu langweilig. Kommst du?” Ein Zitat kommt ihm in den Sinn, nach dem Kinder flügellose Engel wären. Auf dieses Mädchen trifft dies zweifellos zu.

Der alte Mann lächelt traurig. Die meisten waren wie sie gewesen, rasch entschlossen. Solche, die nur einmal tief durchatmeten und dann durch die schmucklose Hintertür wieder verschwanden. Aber er kann noch nicht gehen. Er wird sicher bald gerufen werden. “Nein, meine Kleine”, antwortet er, “Ich bleibe noch ein bisschen.”

“Wie du willst, Grossvater.”, sagt das kleine Maedchen unbekümmert und geht auf die Hintertür des Hauses zu. Kurz bevor sie die Tür erreicht, dreht sie sich noch einmal um. “Bist du nicht einsam hier?” fragt sie.

“Nein. Ich warte nur.” Dann, aus einer Gerühlsregung heraus die er selbst nicht ganz verstand, fügte er hinzu: ‘Aber du musst noch nicht gehen. Bleib hier und erzähle. Wer warst du?”

“Och, das lohnt sich gar nicht. Ich bin ein kleines Mädchen, mit dem er mal gespielt hat. Er fragte nicht mal nach meinen Namen, aber er erinnerte sich oft an mich, und lächelte dabei. Aber er hat mich lange nicht mehr gerufen, und ich mag nicht mehr darauf warten. Lebwohl, Grossvater!”, spricht sie, öffnet die Hintertür und tritt hinaus. Sie reckt die Arme zum Himmel, lächelt und löst sich in ein Gestöber aus Schneeflocken auf, die der sanfte Wind über die Ebene verteilt.

Dann ist das Maedchen verschwunden, nur ein paar Kristalle mehr im grossen Ozean der verlorenen Erinnerungen. Lange blickt der alte Mann auf die Stelle, an der es zuletzt gestanden hat, während der Wind die Tür leise hin und her bewegt. 'Was mache ich hier denn noch', fragt er sich traurig, 'Warum bin ich denn noch immer hier?' Dieses Tal ist eine Einwegstation, ein letzter Ruheplatz für all jene Erinnerungen, die auf ewig entschwunden sind und niemals wiederkehren. Vielleicht würde er doch nicht mehr gerufen werden. Er geht zur Tür und sieht hinaus, spürt die Verlockung. Einfach hinaustreten. Vergessen sein.

Dann schüttelt er den Kopf und schliesst die Tür.

In einem tief verschneiten Tal sieht ein alter Mann aus dem Fenster. Er wird sicher bald gerufen werden.

Friday, March 12, 2010

Schreibwerkstatt SS10 die Dritte (etwas spaeter als erhofft)

hallo ihr lieben,

etwas zu spaet, das outcome der dritten schreibwerkstatt in diesem semester. Es gab eine Ballade zu schreiben, und ich muss sagen, es hat mir sehr viel spass gemacht.

also, das ausgangselement war dieses video


der frankenstein, der lag schon richtig
die natur ist zu beschraenkt
und daher ist es furchtbar wichtig
dass man sie in rechte bahnen lenkt

ja, moerderhirn und wuergerhaende
ich schnitt sie vom galgen, mit viel esprit
die henker setzten ihren leben ein ende
doch heute? heute schicken sie amnesty

ein recht auf leben und aehnlicher dreck
so wollen sie mir meine bestimmung verwehren
das neue jahrtausend erfodert - essbesteck
meine schöpfung wird man genuesslich verzehren

der turm, die blitze, die dunkle nacht
unverzichtbar als wissenschaftliche stilikone
heut beweise ich meines geistes unendliche macht
anhand dieser perfekten zitrone

ein stueck wie es die welt noch nicht gesehen
ein wunder an farbe, geruch und geschmack
die mutter aller fruechte, wird jeder verstehen
doch der dorfhaendler sagt nur: schabernack.

wieviele tonnen ich davon haette
fragt er und zu welchem preis
denn eine einzige zitrone
langt grade mal fuer ein schnitzel mit reis


Das wars auch schon wieder fuer diese Woche, die Haikus zu Posten ist mir irgendwie zu bloed - ich mag sie ja nicht wirklich.

So long & bis bald mal
Richie

Sunday, March 07, 2010

Schreibwerkstatt SS10 die Vierte

hallo ihr lieben,
das letzte mal hatten wir ein hoerspiel, das schon letztes semester in meiner kniebedingten abwesenheit begonnen wurde. das ganze ist, um es mal so zu sagen, voellig absurdes zeug. pseudo-fantasy-scifi, quasi. tut bisweilen recht weh, aber man muss eben mit dem arbeiten, was man zur verfuegung hat, nicht wahr?
jedenfalls haben ein kollege, andreas, und ich eine szene ausgearbeitet, bei denen ein biederer bankangestellter(warum auch immer) versucht, gedraengt von einem wissenschaftlerinterview und einer schutzanzugwerbesendung, einen anzug fuer sich und seine frau zu bestellen, um den drohenden katastrophen von 2012 widerstehen zu koennen. er heisst, auch da weiss man nicht warum, VOLKESSTIMME (vermutlich als representant der menschheit). se es wie es sei. hier die Hoerspielszene, die, wie wir finden, gar nicht mal schlecht geworden ist.

Klingelgeraeusch. Nach mehrmaligen klingeln hebt die Gegenseite ab und eine Tonbandaufnahme ist zu hoeren.

telefonband
Herzlich willkommen bei Planetarius International. Hier bei uns bekommen sie, bekannt aus Fernsehen, Internet und Radio, die einzig wirksamen, patentierten 2012er Schutzausruestungen. Wirksam gegen Roentgenstrahlen aus dem All, Graviationswellen, ..

Fernseher, im Hintergrund
Bestellen sie rasch, nur noch 5312 Schutzanzuege verfuegbar...

Volkesstimme
Ja, ja, macht weiter, schon klar was ich bei euch bekomme. Schliesslich hab ich mir lange genug die WErbesendung im Fernsehen angesehen, wo wieder mal niemand sagt wieviel es kostet, aber egal, es gibt nicht mehr viele, ich muss schnell zuschlagen. Sicher ist diese Hotline kostenpflichtig, kein wunder das sie das so rauszoegern...

telefonband
.. und das alles in modischen Farben. So koennen sie ihr Zelt passend zu ihrer Helmfarbe waehlen, ein absolutes muss fuer ein stilsicheres Ueberleben. So ueberstehen sie auch Gravitationen von 9g und koennten noch immer am cover vom Cosmopolitan aufscheinen. Ihr Anruf kostet 1.99€ pro Minute. Sprechen Sie nun bitte laut und deutlich das Produkt ihrer Wahl.

VOLKESSTIMME
Hmm, mal sehen, ...

Fernseher, im Hintergrund
...denken sie auch an unsere patentierten schutzzelte...

telefonband
Vielen Dank fuer ihr Interesse an unseren Schutzzelten. Unsere Zelte bieten nicht nur Schutz, sondern auch Komfort ausserhalb...

VOLKESSTIMME
Nein, verdammt. Schutzanzuege, niemand hat hier schutzzelte gesagt, was mach ich denn mit einem Schutzzelt, einen Bunker hab ich doch schon. Einen Anzug brauche ich... ZURUECK. ZURUECK. STORNO. AUS.

telefonband
Sie haben die Zeltbestellung storniert. Danke fuer ihren Anruf.

Ein Besetztgeraeusch ertoent. Man hoert Volkesstimme hektisch auf die Tasten eines Telefons einhaemmern, und es klingelt.

telefonband
Momentan sind alle Leitungen besetzt. Bitte gedulden sie sich, bis eine Automatenleitung fuer sie frei wird. Ein nochmaliger Anruf wird neu gereiht und verlaengert damit die Wartezeit. Natuerlich koennen sie auch unser Internetangebot wahrnehmen, einfach zu finden unter www.planetarius.com.

VOLKESSTIMME
Internet? Internet, ja. Natuerlich, das Internet!

Fernseher, im Hintergrund
...nicht einmal mehr 3000 Anzuege verfuegbar.



Man hoert das charakteristische Geraeusch eines startenden PCs (Windows-Melodie)

VOLKESSTIMME
Jetzt mach schon, du verdammte Kiste. Explorer... jetzt starte schon... we we we punkt planetarium punkt ze oh em ... hmhm... Seite wird geladen... was ist das nun? ... Seite nicht vertrauenswuerdig... jaja, von mir aus ... ja, zertifikat akzeptieren... aaah, da ist sie. Gut, nun also Produkte... Schutzanzuege...

telefonband
Herzlich willkommen bei Planetarius International. Hier bei uns bekommen sie, bekannt aus Fernsehen, Internet und Radio, die einzig wirksamen, patentierten 2012er Schutzausruestungen. Wirksam bei...

Man hoert einen Tastendruck, woraufhin ein Besetztgeraeusch ertoent.

VOLKESSTIMME
Erzaehlt doch wem andereren, bei was ihr wirksam seit, ihr Blutsauger. Die 2 Euro koennt ihr jemand anderem abknoepfen. HAHA. DENN ICH HABE DAS INTERNET.

Gut, also schauen wir mal weiter. Medium fuer mich, nein, doch wohl eher Large, und fuer Lena Small.. haha, guter witz. Auch Large also. nur noch in rosa mit blassblauem helmen verfuegbar? auch gut. Karli hat sicher medium ... und ab in den Warenkorb. WAS? zweitausendfuenfhundertachzig euro? PRO Stueck? Hmmm..

Man hoert seine haende auf die Tischplatte trommeln

Nei-hein, fuer Karli, dieses undankbaren Balg, bestell ich keinen, der war seit Monaten nicht mehr zuhause, nicht mal zu meinem geburtstag hat er angerufen, warum sollte ich also an ihn denken? Gut, also nochmal von vorne.

Man hoert Mausklicks.

Fernseher, im Hintergrund
... unsere Zelte sind nun ausverkauft, aber sie haben noch die Chance auf einen der 1000 uebrigen schutzanzuege

VOLKESSTIMME
Tausend nur noch? Scheisse, jetzt aber rasch. ich geh nicht drauf, ich bin schon fast fertig mit dieser bestellung. konzentrier dich. die bestellung abschliessen. Lieferadresse... ja, die Rechnungsadresse ist dieselbe... Kreditkartennummer... CVC code? was ist ein CVC code? ... Hilfe, ach das... drei-fuenf-eins.. bestaetigen.. Kreditkartendaten werden uebertragen.. Geschafft. So, da ist das Bestaetigungsfenster.. Was steht da? Kreditkartenserver konnte nicht erreicht werden... eine NETZUEBERLASTUNG?

Volkesstimme wird wuetend.

Dir werd ich geben, Netzueberlastung, was soll das heissen? Okay nochmal. Zurueck... Die Homepage sah doch vorher noch anders aus.. da steht ... Liebe Kunden, unsere Webshop ist ueberlastet. Bitte wenden sie sich an die Telefonhotline um ihre Planetariusprodukte zu bestellen. Scheisse, SCheisse, wo ist denn das Telefon? Die Nummer war... die Nummer war... Schalt doch endlich wieder auf die nummer um, scheiss fernseher... endlich...

Man hoert ihn eine Nummer waehlen.

telefonband
Momentan sind alle Leitungen besetzt. Bitte gedulden sie sich, bis eine Automatenleitung fuer sie frei wird. Ein nochmaliger Anruf...

Fernseher, im Hintergrund
Liebe Kunden, alle Schutzanzuege sind nun Ausverkauft. Danke fuer ihre Aufmerksamkeit.

VOLKESSTIMME (gebrochen)
Verdammt.

Monday, March 01, 2010

Schreibwerkstatt SS10 die Zweite

nun also auf zur zweiten schreibwerkstatt:
wir hatten zuerst ein paar haikus, inspiriert von fasching und/oder dem wetter (war ein trueber tag anfang februar). die haikus sind maessig, eigentlich sind sie das immer, aber der vollstaendigkeit halber:

die bunten masken
geheimnisvolle wesen
nur an diesem tag

schmutziggrauer matsch
schnee, so weiss und wunderschoen
unnuetz in der stadt

truebe, duester und kalt
inversionswetter, ja
winter hier in graz
So far so mediocre. Danach, wesentlich spannender, gabs einen Filmausschnitt zu sehen. Der film trug den namen MAY, und ich hab noch nie von ihm gehoert, vielleicht zu recht. Die im Ausschnitt geschilderte vorgeschichte war, dass May, ein introvertiertes maedchen von knapp 20 Jahren, einen Punk in ihre Wohnung einlaedt, den sie zuvor auf der strasse kennengelernt hat. Er baggert sie fleissig an und will sich, nachdem er sein shirt ausgezogen hat, Eiswuerfel aus der kueche holen weil es so 'heiss hier drinnen' ist und seine 'Nippel brennen'. May stuermt ihm nach um ihn daran zu hindern, und als er das Kuehlfach oeffnet, sieht man einen toten hund darin liegen.

Ihr Ruf kam zu spaet. Er oeffnete die Tuer es Gefrierfaches, und May wich instinktiv einen Schritt zurueck. Sie wuerde es ihm nicht erklaeren koennen, und er wuerde es nicht verstehen. Er war schliesslich nur ein Punk, was wusste er schon von Ihr, von ihrer Einsamkeit? Fieberhaft suchte sie nach etwas das sie sagen koennte, aber es gab nichts. Sie konnte nur warten.

Seit einer halben Minute hatte er sich nicht nicht geruehrt. Die Tuer noch immer in der Hand stand er da, sein Gesicht vollstaendig vor ihren Blicken verdeckt. Nur seine Haarstacheln ragten hervor, wie schwarze Sonnenstrahlen in einer Kinderzeichnung. Er starrte anscheinend noch immer auf Sophos, den sie zwischen Eiswuerfeln und Fertigpizzas eingefroren hatte. Sie hatte keine Wahl gehabt, aber wie sollte sie das erklaeren? Schlimme Dinge geschahen hier, und sie hatte kein Interesse daran, dass sie auch ihr zustiessen. Sie tat was sie tun musste, auch wenn es keine schoenen Dinge waren.

Endlich schloss er langsam die Tuer, blinzelte ein paar mal und drehte sich dann den Kopf zu ihr. “Was,” sagte er mit unglaeubiger Stimme, die nur einen Fingerbeit davon entfernt war hysterisch zu sein, “zur Hoelle tut ein gefrorene Töle in deinem Gefrierfach? Bist du bescheuert? Willst du den etwa essen? Scheisse, lass das.” Seine Stimme beruhigte sich langsam als er weitersprach, “Ich hab eine meinen Anteil an miesen Frass gehabt, damals, als ich von zu Hause ausgerissen und beiden Pennern gewohnt habe, und wir haben damals alles gegessen, aber, aber...” er wedelte mit der Hand, “aber doch keinen Hund! Jimmy hat mir erzaehlt dass einer von den Jungs mal einen toten Streuner aufgelesen hatte und ihn gebraten hat, und er is verdammtnochmal daran verreckt. Da koennen alle Arten von Dingen drin sein, ich sag dir, Bakterien koennen da drin sein, und... Scheisse.“. Er brach ab und starrte sie an, eine kleine Ewigkeit lang.

Dann zuckte er gezwungen laessig mit den Schultern. “Naja, is ja nicht mein Bier.” sagte er, drehte sich zum Kuehlschrank um und oeffnete die Tuer erneut. Er murmelte etwas, das wie “hat ‘n verdammten gefrorenen Hund da drinnen” klang, suchte wohl ein wenig herum. Dann nahm die Eiswuerfel heraus und schloss die Tuer wieder. “Na immerhin muss ich mir meine Nippel nicht mit dem Hund kuehlen, weisst du, das waer sicher, weiss nicht, unhygienisch oder so.” Er grinste breit und ging zurueck ins Wohnzimmer.

May entspannte sich und stiess langsam die Luft aus. ‘Das war knapp’, dachte sie und legte das Messer in die Spuele. Sie hatte es vorsorglich aus dem Wohnzimmer mitgenommen und hinter ihrem Ruecken verborgen gehabt. Ja, es war wirklich knapp gewesen. Aber zum Glueck hatte er nicht hinter den Hund gesehen.
Das wars, bis zum naechsten mal.
richie

Monday, February 01, 2010

Schreibwerkstatt SS10 die Erste

Hallo ihr Lieben,
es ist wieder soweit, die Schreibwerkstatt hat wieder begonnen. Nachdem ich momentan eher maessig erfolgreich beim Kurzgeschichtenbasteln bin (scheint als haette ich meine ganzen Kreativpunkte in dem Schreibwahn um Weihnachten herum verbraucht), war die Abwechslung heute sehr witzig.

Im ersten Punkt gings darum, eine Geschichte aus Sicht des Tiers/der Landschaft aus einem blind gezogenem Bild zu beschreiben. Bei mir war's der Kopf eines schwarzen Hundes vor einem Fluss.
WIE ES IMMER WAR
Weiß der Himmel, warum ich das jedesmal wieder mache. Peter, mein Leitmensch, wirft den Stock, und ich jage dem Ding nach. Als waere dieses dumme Stueck Holz etwas, das ich haben wollte. Als wuerde es mir Spass machen, in Wasser und Schlamm nach dem Ding zu suchen. Als wuerde es irgendeinem Zweck dienen. Ich kaue manchmal sogar ein wenig darauf herum, in der Hoffnung, dass es diesmal etwas essbares ist. Aber ich werde jedes Mal enttaeuscht.
Ich spiele das Spiel mit, weil es Peter so viel Freude bereitet. Es ist ja so: wenn es Peter gut geht, geht es mir gut. Das bringt besseres Futter, mehr Spaziergaenge und mehr gekraule.
Manchmal denke ich, Peter ist ziemlich dumm. Ich meine, wie koennte ihm ein derart sinnloses Spiel, noch dazu ohne Sieger, sonst solche Freude bereiten?
Aber wenn ich genauer drueber nachdenke, ist er vielleicht gar nicht so dumm. Vielleicht wirft er den Stock nur, weil er glaubt, es wuerde mir Spass machen. Und er freut sich, weil er denkt, dass ich es auch tue.
Wie zwei alte Freunde, die immer ueber dasselbe Thema sprechen. Ein Thema, das die beiden eigentlich schon seit langer Zeit nicht mehr interessiert. Aber sie reden darueber, weil sie Angst haben, sich eingestehen zu muessen, dass sie eigentlich nichts mehr gemeinsam haben. Nicht mehr als dieses duenne Band, und wenn dieses Band reisst, ist alles zwischen ihnen vorbei.
Bei Peter und mir ist es ganz aehnlich. Zwischen Mensch und Hund, nun ja, wieviele Baender kann es da wohl geben? Was wuerde aus dem besten Freund des Menschen, wenn man nicht weiss, was man mit ihm anfangen soll?
Also wirft Peter, mein Leitmensch, den Stock, und ich jage ihm nach.
So, wie es immer war.
So, wie es immer sein muss.

Die naechste Aufgabe war, uns die vorherrschende Farbe auf dem Foto zu suchen (in meinem Fall schwarz) und das Wort mit eigenen Worten zu buchstabieren
S Schatten
C Cocktailkleid
H Hinterhalt
W Wesen
A ngst
R uß
Z Zuendhoelzer
Soweit sogut. Ich hatte natuerlich schon geahnt, dass jetzt die Aufgabe waere, eine kurze Geschichte, so um die fuenf saetze, daraus zu basteln:
In ihrem Cocktailkleid war ihr kalt, ud sie hatte Angst. Angst vor den Schatten, in denen zweifellos duestere Wesen einen Hinterhalt planten. Gerne haette sie mit einem Zuendholz Licht gemacht, aber ihre rußigen Finger anden nur noch verkohlte Stummel in der Schachtel. Und so stolperte sie, die Arme eng um ihren Koerper geschlungen, weiter durch die Dunkelheit.
Soweit kein Problem aber die naechste Aufgabe war richtig fordernd. Wir sollten die beiden Geschichten miteinander verbinden, auf den ersten Blick voellig unmoeglich. Mein Weg war gangbar, hat aber nur maessig gut funktioniert - Als Erzaehlung aus zwei Perspektiven mit zusaetzlichem Wechsel zwischen der Ich-Perspektive des Hundes und der dritten Person der Frau ist das nicht zu machen. Leider musste ich auch Feststellen, das der nuechterne Erzaehlton der zweiten Geschichte sich nur schlecht mit einer Ich-erzaehlung vertraegt, also werde ich wohl den Hund in eine dritte Person wandeln muessen und ein paar Elemente streichen. Here we go.
Nachtrag: im Endeffekt war es wohl schlicht und einfach unmoeglich, die Geschichten zu kombinieren. Ich bin jedenfalls nicht zufrieden mit dem Ergebnis :).
Er hatte das Klirren der Metallringe des Hundegeschirrs drei Raeume weiter gehoert und war sofort zur Tuer gestuermt, um schwanzwedelnd davor zu warten. Es war schon spaet fuer einen Spaziergang, aber wann man rauskam, konnte man sich nicht aussuchen.
Genausowenig wie die Sache mit dem Holz. Wieder fragte er sich, warum er das eigentlich immer wieder tat. Peter, sein Leittier, warf den Stock, und er jagte hinterher. Als waere er dieses dumme Stueck Holz etwas, das er haben wollte. Als wuerde es irgendeinen Zweck erfuellen. Als wuerde es Spass machen, es in Wasser und Schlamm zu suchen. Manchmal kaute er darauf herum, einfach nur, um zu sehen ob es diesmal etwas essbares waere. Er wurde jedesmal bitter enttaeuscht.
Er spielte das Spiel mit, weil es Peter so viel Freude bereitete. Schliesslich ging es ihm gut, wenn es Peter gutging. Besseres Futter, mehr Spaziergaenge, mehr Gekraule hinter den Ohren. Dafuer nach einem Stueck Holz zu suchen, war kein schlechtes Geschaeft.

Ihr war kalt, und sie hatte Angst. Angst vor den Schatten, in denen zweifellos duestere Wesen einen Hinterhalt planten. Gerne haette sie mit einem Zuendholz Licht gemacht, aber ihre rußigen Finger anden nur noch verkohlte Stummel in der Schachtel. Und so stolperte sie, die Arme eng um ihren Koerper geschlungen, weiter durch das immer dunkler werdende Zwielicht.

Die Sonne war schon lange untergegangen. Er konnte noch gut sehen, aber er war auch sicher, dass Peter ohne seinen Lichtstab kaum etwas haette erkennen koennen. Trotzdem fliegt der Stock wieder, hindurch zwischen zwei Baeumen und landet irgendwo im Unterholz. Pflichtbewusst stuerzt er dem Holzstueck nach.

Sie hoerte das Unterholz krachen. Vergeblich versuchte sie, ihre aufkeimende Panik zu unterdruecken. Doch dann brach es aus ihr hervor, unwiederstehlich, und sie lief los, irgendwohin, nirgendwohin. Nur weg von den Monstern, die sie jagten.

Im Wald war zu dunkel um es genauer zu erkennen, aber irgendetwas floh vor ihm, langsam und tollpatschig. Uralte Instinkte erwachten zum Leben, und der Stock war vergessen. Er hatte nun echte Beute. Die Jagd begann.

Sie wusste, dass ihr Cocktailkleid nur noch aus Fetzen bestand. Unzaehlige Aeste und Dornen hatten tiefe Kratzer in ihren Armen und ihrem Gesicht hinterlassen. Trotzdem hastete sie weiter, mit schmerzhaft hart schlagendem Herzen und stechender Lunge stolperte sie blind durch die Nacht. Es nuetzte nichts, das Hecheln kam naeher. Dann traf etwas ihren Ruecken und warf sie hart zu Boden.

Nur mit aeusserster Anstrengung konnte er sich dazu zwingen, seine Zaehne nicht in ihrem Hals zu vergraben. Eine Menschin lag unter ihm, das hat er gerade rechtzeitig erkannt. Sie durfte er nicht jagen, Menschen waren fuer ihn verboten. Er tat das einzige, dass er in dieser Situation machen konnte und zog sich ein paar Schritte zurueck. Dann begann er sie anzubellen. Sollte doch Peter entscheiden was zu tun war. Schliesslich war er der Herr des kleinen Rudels.

und nein, wir fragen nicht, warum eine Frau mitten in der nacht im Cocktailkleid durch den Wald irrt :-). Manche Dinge sind eben so, wie sie sind.

so long und bis zum naechsten Mal
Richie

Monday, January 11, 2010

Sie kamen zu fuenft.

Sie kamen zu fuenft. Manfred war alleine, denn sie waeren sonst nicht gekommen. Es hatte endlose Versicherungen via Funk gebraucht um sie davon zu ueberzeugen, dass ihnen hier niemand auflauern wuerde. Die meisten Banden waren aus guten Gruenden ein wenig paranoid, aber die Gripps? Sie als 'ein wenig' paranoid zu bezeichnen waere in etwas so, als wuere man sagen, der Papst sei 'ein wenig' religioes.

Wenn es noch einen Papst geben wuerde, natuerlich. Oder Rom. Oder Italien. Suedlich der Alpen war nichts ausser verstrahlter Wueste uebriggeblieben, das wusste jeder.
Auch in der kargen Steppe, in der er jetzt stand, wuerden nie wieder Weinreben wachsen. Aber immerhin war es sauberer Sand, den ihm der allgegenwaertige Wind in seine Augen blies. Guter sauberer Sand.

Und so stand er da, waehrend sie in ihrem Pickup Runden um ihn drehten. Laut schreiend schwenkten sie ihre Stahlstangen, sogar der Typ hinter dem Steuer. Manfred verdrehte die Augen und hoffte dass sie es nicht sehen wuerden, aber das Beduerfnis war zu gross. Sie waren offensichtlich Idioten. Beschraenkte, primitive, stinkende und wahrscheinlich betrunkene Idioten. Mit dem einzigen Benzin weit und breit. Also wuerde er mit ihnen verhandeln, die Ruhe bewaren und ihnen ein paar Kanister fuer die Station abnehmen, irgendwie.

Wie er das hasste. Immer verlor er beim Pokern, jedes verdammte Mal. Zumindest kam ihm das so vor. Die ganze Chancenrechnerei nuetzte nichts gegen das Pik As, mit dem Antoine sein eigenes Full House zu einer Laecherlichkeit degradiert hatte. Er haette nicht All-In gehen sollen, das wusste er jetzt. Aber er war sicher gewesen das Antoine bluffte, so sicher. Scheiss Franzose.

Und jetzt schlug er sich mit den Gripps herum. Die Gripps. Was fuer ein laecherlicher Name. Und dann erst dieses selbst aufgezeichnete, schon wieder abblaetternde Bandenzeichen auf dem Pickup.

Jetzt hatten sie einen Drift hingelegt, standen mit dem Heck des Autos zu ihm und sprangen ab. Manfred war sicher das sie das trainiert hatten, denn standen jetzt in einem unfertigen V da. Sie warteten auf den Fahrer, der ohne Zweifel ihr Anfuehrer war und die Spitze uebernehmen wuerde. Wie unangemessen theatralisch. Wie laecherlich pathetisch. Und jetzt liessen sie auch noch diese Stangen in ihre Handschuhe klatschen. Manfred widerstand dem Drang seine Nasenwurzel mit Daumen und Zeigefinger zu massieren, wartete, und sah sich die Truppe an.

Das Leben unter freiem Himmel hatten den Gripps nicht allzu gut getan. Ihre ausgemergelten Gesichter zeigten deutliche Spuren von allerhand Ausschlaegen. Links vorne stand ein Junge von vielleicht 20 Jahren, die Haare zu einem Irokesen rasiert. Er hatte einige haessliche Pusteln am Hals, an denen er sich unentwegt kratzte. Inzwischen war der Anfuehrer an die Spitze getreten, mit Abstand der haesslichste der fuenf. Er war ziemlich gross, knappe zwei Meter, ein pockennarbiger, vierschroetiger Kerl wie aus einem Eastwoodwestern mit dem armseligen Versuch eines Vollbarts. Er trug einen Hut und einen knielangen Trenchcoat, der im Wind flatterte. Von der Stirn ueber das rechte Auge bis zum Hals zog sich eine lange, zart rosafarbene Narbe.

Manfred malte sich die naechsten paar Minuten aus. Der Anfuehrer wuerde ihn boese anstarren, irgend etwas ueberfluessiges wie ‘Wir sind die Gripps’ von sich geben und ihm ausfuehrlich beschreiben, warum es eine schlechte Idee waere sie zu hintergehen. Vermutlich wuerde er ihm von Anderen erzaehlen, denen es sehr, sehr schlecht ergangen war, eben weil sie es so etwas versucht hatten. Sie wuerden auf jeden Fall ueber sein Moped lachen, aber das wuerden die einfachen Bandenmitglieder uebernehmen. Der Anfuehrer selbst wuerde nach wie vor grimmig dreinsehen und bestenfalls den Schatten eines Laechelns auf seine Lippen lassen. Danach wuerden sie viel weniger Benzin als vereinbart anbieten, zu einem mehrfachen des Preises verstand sich, und ihm sagen das er ‘froh sein solle, dass sie ihn nicht einfach totschlugen und ihm die Medikamente einfach wegnahmen’. Es war immer dasselbe.

Er war es so leid, mit diesen Narren Katz und Maus zu spielen, aber sie brauchten den Strom. Es ging nicht immer genug Wind fuer die Kuehlanlagen.

‘Wir sind die Gripps’, sagte der Anfuehrer und verbeugte sich spoettisch.
‘Du meine Guete’, dachte Manfred, ‘der haelt sich auch noch fuer gewitzt.’ Das waren die schlimmsten. Vermutlich wuerde er irgendwann Shakespeare zitieren. Falsch natuerlich.

‘Ich bin Alex.’ sprach der Huehne weiter, laechelte breit und entbloesste dabei eine schwarzbraune Ruine von Zahnreihe. ‘Komm nich auf die Idee uns bescheissen zu wollen, Arschloch. Das ham schon andere probiert und es is ihnen nich gut bekommen. Isses nicht so, Jungs?’.

Von den anderen erhob sich nun zustimmendes Gemurmel.
‘Gar nich gut bekommen.’
‘Haben sie spueren lassen was es heisst uns zu hintergehen.’
‘Jaa, wir ham ihnen die Koepfe eingeschlagen!’
‘Scheiss Futter fuer die Raben.'
'Haben den Viechern zugesehen wie sie die Haut von ihnen pickten nachdem wir sie aufgeknuepft hatten.’
‘Gar nich gut bekommen, nein.’
Und so weiter. Manfred hatte grosse Muehe nicht mit der Hand zu wedeln um ihnen zu bedeuten weiter zu machen.

‘Wir Gripps’, sprach der Anfuehrer nun weiter, ‘halten unsere Versprechen, und du solltest das auch machen. Sonst knipsen wir dich aus.’, und schnippte mit den Fingern um anzuzeigen, wie leicht es ihnen fallen wuerde. Die anderen murmelten zustimmendes ‘einfach so’ und ‘bloss so’, und machten angemessen Handbewegungen. Es war zum Verzweifeln.

‘Johnny, hol die Kanister’ wies Alex nun den Jungen mit dem Irokesen an. Johnny sagte nur knapp ‘Ja, Boss’ und ging zum Wagen zurueck. Kurz darauf kehrte er mit zwei Zehnliterkanistern zurueck. Natuerlich war das nur ein Drittel der ausgemachten Menge. Vermutlich wuerden Alex nun sagen, dass der Benzin schwerer zu besorgen gewesen war und daher natuerlich auch teurer.

‘Das hier ist beste Ware. Feinster Benzin aus ‘ner alten Esso Tankstelle, richtig gutes Zeug. Ham wir selbst aus dem Boden gepumpt. Ich sag dir, das war nich einfach, ‘ne Menge anderer Leute wollten auch was davon haben. Johnny musste einen mit dem Benzinschlauch erwuergen, sonst haetten die nie Ruhe gegeben. Er hat jetz grosse Gewissensbisse deshalb, nicht wahr, Johnny?’.
Johnny nickte eifrig, und Alex bleckte seine Zaehne.
‘Ihr werdet uns die Unkosten ersetzen muessen. Ihr bekommt nur zwei Kanister’. Nach Unkosten hatte eine kurze Pause gemacht, als haette er etwas besonders Kluges gesagt. Schwachkopf.

‘Wir hatten sechs Kanister ausgemacht.’ sagte Manfred ruhig.
‘Der Preis hat sich erhoeht, sagt der Boss.’ stiess Johnny hervor, und Alex sah ihn zornig an.
‘Ich rede hier!’ zischte er.
Manfred zuckte die Achseln, und ging zu seinem Anhaenger. Hinter sich hoerte er die Rufe.
‘Was isn das?’
‘Der Kerl faehrt ‘nen Roller’
‘Die ham sich ‘nen Anhaenger drangeschweisst.’
‘Koennen sich wohl kein Auto leisten’
Alles war immer wieder von Gekichere durchsetzt. Manfred nahm die oberste Steige Konserven, ging zurueck und stellte sie vor sich auf den Boden.

‘Für zwei Kanister bekommt ihr nicht mehr, das wisst ihr.’
‘Allwissend bin ich nich, aber ich weiss viel.’ knurrte Alex. ‘Aber ich will nicht so sein. Johnny, hol noch einen Kanister.’ Ein Goethezitat also. Manfred fand das durchaus beeindruckend, so falsch musste man den mal zitieren.
‘Aber Boss, du hast doch gesagt gesagt dass...’ begehrte Johnny auf, bevor Alex ihm scharf das Wort abschnitt: ‘Hol jetzt noch einen Kanister verdammt.’
Manfred laechelte innerlich. Da war der Riss in der Gruppe. Er musste ihn nur noch ein wenig aufweiten.

‘Johnny, hol doch gleich alle.’, wannte sich Manfred nun direkt an den Jungen. ‘Fuer drei Kanister kriegt ihr auch nur zwei Steigen Konserven. Das ist eigentlich zu viel, aber ich will nicht so sein. Aber keine Medikamente, und keine Batterien. Am besten du bringst gleich alle sechs, wie ausgemacht.’ Johnny sah zweifelnd zwischen ihm und Alex hin und her.

‘Gut, hol zwei Kanister.’ Alex wirkte inzwischen ein wenig unsicher, und seine Leute wurden unruhig. Manfred sah sich die anderen Vier genau an. Die Verhandlungen liefen nicht so wie ihnen ihr Anfuehrer das versprochen hatte, und seine Authoritaet schmolz wie ein Schneemann im Sommer. Wer wohl den ersten Schritt machen würde? Vermutlich der Kleine rechts von Alex, der inzwischen unruhig von einem Fuss auf den anderen stieg und ihn hasserfuellt anstarrte.

‘Johnny, das sind zu wenige.’ sagte Manfred in unbekuemmerten Tonfall als dieser die beiden Kanister abstellte und keine Anstalten machte, noch mehr zu holen. Er laechelte ihm freundlich zu. ‘Wir hatten sechs ausgemacht.’

‘Verdammt, ich führ hier die Verhandlungen, Arschloch.’ sagte Alex wuetend. ‘Wenn du mit jemanden sprichst, dann mit mir, is das klar? Johnny bleibt hier, bis ICH’ er spuckte das Wort geradezu heraus, ‘bis ICH ihm sage das er etwas holt, klar? Und jetz bring das restliche Zeug.’
Manfred holte eine zweite Steige Konserven und stellte sie vor sich ab. ‘Bitte schoen.’
‘Verdammt Alter, hast du ‘n Rad ab?’ schrie Alex. Zorniges Gemurmel von den anderen.

‘Ach ja, entschuldige bitte.’ Manfred fischte zwei Batterien aus der Jackentasche und stellte sie auf die Konserven.

Der Kerl links aussen stiess einen unverstaendlichen Schrei aus und stuerzte mit erhobener Waffe nach vorne. Das kam ueberraschend, Manfred hatte nicht gedacht, dass von ihm Gefahr ausgehen wuerde.
‘Bin wohl kein besonders guter Menschenkenner.’ dachte Manfred. Dann zog er achselzuckend die Pistole und schoss dem Angreifer ins Bein, der mit einem Schrei zu Boden stuerzte. Eine kleine Staubwolke stieg einen halben Meter hinter dem getroffenen auf. Manfred nickte befriedigt. Das wuerde die Sache einfacher machen.

Johnny schrie heiser ‘Tobias!’ und stuerzte vor, waehrend die anderen unglaeubig auf die Waffe starrten und einen Schritt zurueckwichen. Tobias waelzte sich schreiend im Staub.

Manfred steckte die Pistole wieder hinten in die Hose und laechelte die vier offen an. Keiner hatte eine Schusswaffe gezogen, nicht einmal ein Wurfmesser. Hier hatte er mehr Glueck als beim Pokern. Verdammtes Pik As.

‘Johnny, du kannst deinem Freund Tobias hier gerne helfen.’ Er sah zu wie Johnny den Mann unter den Achseln packte und ihn wegschleifte.
‘Seht mal, wir koennen das Geschaeft jetzt so abschliessen wie wir's jetzt haben. Andererseits habe ich hier hinten noch eine Palette Konserven, und eine Packung mit Medikamenten und Antibiotika, die Tobias hier sicher in den naechsten Wochen gut gebrauchen kann. Es ist nur ein Durchschuss, der wird gut verheilen. Allerdings’, er machte eine bedeutungsschwere Pause, ‘sind meine Unkosten’ er lies seinen Blick bei diesem Wort herablassend auf Alex ruhen ‘gestiegen, und die werdet ihr mir abdecken muessen. Acht Kanister, dafuer bekommt ihr noch eine zusaetzliche Palette mit Lebensmitteln. Johnny, was sagst du?’

Alex stand bebend da, die Haende zu Faeusten geballt, waehrend seine Leute noch immer fassungslos abwechselnd zu ihm, Johnny und Manfred starrten. Tobias war sehr bleich geworden, wimmerte schwach und hielt sich das blutdurchtraenkte Hosenbein.
Wenn nicht schnell eine Entscheidung fiel, wuerde die Situation brenzlig werden. Manfred hatte nicht genug Kugeln fuer alle. Er zaehlte die Sekunden. Maximal zwanzig, so schaetzte her. Dann wuerde er handeln muessen, sonst wuerden sich die Gripps vom Schock erholen.
‘Okay, okay. Wir machens so.’ stiess Johnny hervor.
‘Glueck gehabt, das ging schneller als gedacht’, dachte Manfred, der gerade erst bei acht angekomemn war.
Dann erklaerte er ihnen, wie er sich den restlichen Ablauf vorstellte.

Ein paar Stunden spaeter sass er zufrieden bei seinem Lagerfeuer. Acht Kanister waren eine ziemlich gute Ausbeute, die wuerden einen ganzen Monat reichen wenn der Wind stimmte. Wieder mischte er die Karten und legte sie vor sich auf um sich die Reihenflolge einzupraegen.
Herz Dame, Treff Zehn, Karo Bub, Pik As.
‘Verdammtes Pik As’, knurrte er und haette es am liebsten in die Flammen geworfen, hielt sich aber zurueck. Komplette Kartensets waren selten.
Muessig starrte er auf die nie verschwindende Wolkendecke. Noch eine Stunde, schaetzte er, dann wuerde es dunkel genug sein. Die Gripps waren schon vor ein paar Stunden verschwunden und leckten irgendwo ihre Wunden, aber er konnte keine Verfolger riskieren.
Karo Koenig, Karo Acht, Pik As, Karo Neun, Herz Acht.
Verwirrt hielt er inne. Pik As? Schon wieder? Er blaetterte ein paar Karten zurueck und lachte dann unglaeubig.
Dieser Scheisskerl von einem Baguettefresser.
Das wuerde er ihm buessen.

Wednesday, January 06, 2010

Pawis Zug

Es war leichter gewesen als Pawi gedacht hatte. Durch die Eingangstuer waere sie niemals gekommen. In der zur Verfuegung stehenden Zeit haette sie das Siegel des Schlosses niemals brechen koennen. Auch die Fenster waeren zweifellos aehnlich gut gesichert gewesen. Aber Pawi hatte keinen dieser Wege auch nur in Betracht gezogen. Sie war voellig ungehindert durch den Kamin gekommen.

Sie laechelte. Das funktionierte bemerkenswert oft. Natuerlich haette ein normaler Mensch nicht durch den Schornstein gepasst, aber sie war streng genommen kein Mensch. Es hatte keiner grossen Anstrengung bedurft, ein paar kleine Kniffe gegen die Hitze und es war erledigt.

Der Speisesaal war leer gewesen, abgesehen von dem beinahe absurden Luxus der sich dort sammelte. Es war alles da. Kunstvoll geschnitzte Stuehle, eine sicherlich zehn Meter lange Tafel, Wandteppiche die Szenen der Familiengeschichte zeigten. Sie verstaerkte das Licht, um einen genaueren Blick auf die Szenen werfen zu koennen. Drachen? Laecherlich. Diese Familie war sicher nicht alt genug, um damals mitgekaempft zu haben.

Als Pawi auf leisen Sohlen den Raum durchquerte, sah sie aus dem Augenwinkel etwas glitzern.
Tatsaechlich. Sand. Nervoes sah sie sich um, die Schatten tanzten im Schein ihrer nun leicht flackernden Lichtkugel. Wenn es hier Sand gab, war ihr Auftrag schwieriger als es den Anschein gehabt hatte. Gut, es war zu wenig um sie in Gefahr bringen zu koennen, aber vielleicht war es nicht der einzige Sand im Haus.

‘Ksyrianier’, schimpfte sie. Es war immer dasselbe mit den verdammten Echsen. Sie erzaehlten immer nur die Haelfte um den Preis zu druecken. Grundsaetzlich war das war schon in Ordnung, solange sie dabei nur ein oder zwei zusaetzliche Wachmaenner unterschlugen. Aber Sand? Nun, das war etwas ganz anderes. Sie wuerde sich Ka’ao vornehmen, das war sicher. Wenn sie hier fertig war.

Sie sah sich die Phiole genauer an. Zwanzig, vielleicht sogar dreissig Gramm. Welcher Mann verwahrte solche Mengen Sand in seinem Speisesaal? Vielleicht nur ein ziemlich dummer reicher Kerl der sich den Sand als Trophäe hierhergestellt hatte, gemeinsam mit den exotischen Tierkopefen an der Wand.
Obwohl sie keinen Schritt von der Phiole entfernt stand, konnte sie das Bannfeld kaum wahrnehmen. Ein Feld dieser Staerke haette eigentlich im gesamten Raum deutlich spuerbar sein sollen. Kopfschuettend betrachtete sie den Behaelter. Das war gute Arbeit. Verdammt gute Arbeit. Hoffentlich die einzige ihrer Art in diesem Haus. Sie wuerde sehen.

Ihre Grossmutter hatte immer erzaehlt, dass in ihrer Jugendzeit Sand noch etwas ganz normales gewesen war. Stoff fuer goldgelbe, koernige Traeume, in denen mysthische Karawanen durch reiche ferne Laender zogen.
Legion war die Zahl der Theorien, warum das heute nicht mehr so war.
Es lag an den fehlgeschlagene Beschwoerungen dunkler Hexer, sagten die einen. Unsinn, dies waere die Strafe dieses oder jenes Gottes, meinten Andere. Nein, Alchemisten seien daran schuld. Laecherlich, die Geister der Toten bewegten den Sand. Und so weiter.
Pawi war das egal, fuer sie machte keinen Unterschied. Man musste mit den Dingen arbeiten, die man zur Verfuegung hatte. Solange Sand eine verflixt aggressive und toetliche Substanz war, handelte man besser angemessen.

Wenn sie richtig informiert war, sollte das Arbeitszimmer in noerdlicher Richtung liegen. Ein langer Gang, dritte Tuer links, durch das Solar und sie war da. Aufmerksam lauschte sie, aber das Haus blieb ruhig. Weiter.

Das schoene an diesen Reichenhaeusern war, dass die Tueren gut geoelt waren und sich voellig geraeuschlos oeffnen liessen. Der Gang war beleuchtet. Verdammt. Niemand beleutete einen Gang ohne Grund. Zum Beispiel jemand, der hier regelmaessig entlangpatroullierte. ‘Im Haus selbst gibt es keine Wachen’ hoerte sie Ka’ao von irgendwo hinter ihrem Ohr fluestern. ‘Ksyrianier’, knurrte sie, ‘wenn ich mit dir fertig bin, wirst du dir wuenschen, deine Mutter haette das Ei niemals ausgebuddelt’. Sie schloss die Tuer leise hinter sich, drueckte sich in einem nicht ganz so hellen Eck des Ganges gegen eine Wand und wartete. Ein gaehnender Wachmann in schlecht sitzender Uniform ging an ihr vorbei, keinen Meter von ihr entfernt. Mit angehaltenem Atem stand sie da, denn er konnte sie vielleicht nicht sehen, aber er wuerde sie sehr wohl hoeren koennen. Nachdem er um die Ecke gebogen war schlich Pawi weiter, und stand nach kurzer Zeit im Solar.

Auch das war ein imposanter Raum. Er war ebenso absurd luxurioes eingerichtet, mit seinem Marmorboden und den ganzen edlen Hoelzern. Aber sie hatte keine Zeit ihn sich genauer anzusehen. Die Tuer gegenueber fuehrte ins Arbeitszimmer. Dort, geschnitzt aus poliertem schwarzem Ebenholz, lag das Ziel ihrer Unternehmung. Der Vertrag sollte in einer dunklen Dokumentenrolle sein, mit dem Siegel eines stilisierten Geldbeutels. Etwas drang an ihr Ohr, ein kaum wahrnehmbares Rauschen. Sie erstarrte. ‘Nein’, dachte sie, ‘niemand ist so wahnsinnig, wegen dieser paar Dokumente ... ‘. Rasch liess sie die Kugel in die Mitte des Raumes schweben und drehte sie ein paar Stufen heller.

Wahrscheinlich hatte sie beim Oeffnen der Tuer irgendeinen Mechanismus betaetigt. Nun rieselte Sand auf den Kaminsims. Eine ganze Menge Sand. Instinktiv wob sie Schild, ein fluechtiges, hektisches Ding in dem jetzt schon feine Spinnweben sichtbar waren. Und doch, es wuerde halten. Zumindest eine Zeit lang.
'Auch gut', dachte sie, 'dann sollte das hier wohl besser schnell gehen.'
Methodisch durchsuchte sie die gestapelten Rollen, waehrend der Sand sie zornig umprasselte und einen Weg durch ihre Abschirmung suchte.
Dann, von einem Moment zum naechsten, hoerte das Prasseln auf. Irritiert sah sie sich um. Sie sah gerade noch, wie die letzten paar Sandkoerner durch eine Oeffnung in der huefthohen Statue eines Gargoyles verschwanden.
‘Was bei den Lords der sieben Hoellen war das denn?’ murmelte sie unbehaglich und setzte eilig die Suche nach der Rolle fort. Je schneller sie hier rauskam, desto besser. Endlich hatte sie die Rolle mit dem richtigen Siegel gefunden. Pawi steckte die Rolle in ihre Tasche und wandte sich gerade zum Gehen, als sie aus am Rande ihres Sichtfeldes eine Bewegung wahrnahm. Sie sah zu der Statue hinueber.

Der Gargoyle spannte gerade seine Steinmuskeln und loeste mit lautem Krachen eines seiner Vorderbeine von seinem Podest. Er schien nicht zu bemerken, dass er dabei eine seiner Zehen auf dem Sockel geblieben war. Pawi stand mit offenem Mund da und konnte nicht fassen, was sie da sah. Von so etwas hatte sie noch nicht einmal gehoert.
Nachdem der Gargoyle auch seine anderen drei Beine geraeuschvoll befreit hatte, reckte er sich traege und funkelte Pawi aus rotgluehenden Augen an. Zweihundertfuenfzig Pfund makeloser, angriffslustiger Marmor. Und keine Chance, dass das Krachen draussen unbemerkt geblieben war. Soviel zu ihrer leisen Rein und Raus Strategie.
'Scheisse' fluchte Pawi leise.

Der Gargoyle schnupperte und blickte sich im Raum um. Es war ein haessliches drachenartiges Tier mit viel zu grossen Zaehnen. Pawi sah die Muskeln der Hinterlaeufe zucken und duckte sich instinktiv. Die Statue segelte ueber sie hinweg, krachte in das Regal hinter ihr und verschwand unter den Truemmern. Ein heisser Schmerz durchfuhr sie, als sich einer der Holzspitter in ihren Unterarm bohrte. Sie unterdrueckte den Schrei und zog das Holzstueck vorsichtig aus der Wunde. Sie betrachtete das dunkel glizernde Stueck kurz und liess es achtlos fallen. ‘Wunden heilen’ knurrte sie und hechtete ueber den Tisch. Sie nahm den Stab von ihrem Guertel, lies ihn auf eineinhalb Schritt Laenge anwachsen und wartete.

Der Gargoyle rappelte sich hoch und sprang auf den Tisch, der unter seinem Gewicht betraechtlich aechzte. Er spannte sich abermals. Der Sprung gegen die Mauer hatte ihn die Ohren, einen Fluegel und einen Teil des Unterkiefers gekostet. Diesmal war sie vorbereitet. Als das Tier sprang, fuhr sie mit Stab unter den Gargoyle und hebelte ihn ueber sich hinweg. Dabei stuezte sie den Stab am Boden ab, um ihn nicht aus den Haenden gerissen zu bekommen. Die Statue flog durch das halbe Arbeitszimmer und prallte gegen den Kamin, um dort in einem Wirbel von Ziegeln und Staub zu Boden zu gehen.

‘Zeit zu gehen’, dachte sie, hechtete auf den Ausgang zu. Als sie nach dem Tuerknopf griff, flog diese mit Schwung auf. Das Tuerblatt schlug Pawi mit voller Wucht gegen die Schlaefe. Benommen taumelte sie zurueck und waere gestuerzt, wenn sie nicht zufaellig gegen den Schreibtisch geprallt waere. Verwirrt griff sie sich an die Schlaefe und betrachtete unglaeubig den dunklen Fleck auf ihrer Hand. Eine Platzwunde. Der Wachmann sah sich mit offenem Mund das verwuestete Zimmer an, bevor sich sein Blick sie fixierte. Er zog sein Kurzschwert und gab sich dabei sichtlich Muehe, nicht aengstlich zu wirken.

‘Keine Bewegung, verdammt!’ sagte er mit zitternder Stimme, ‘Verstaerkung ist ..’. Sie rammte ihm die Schulter in den Bauch und stuerzte in dem wieder aufkommenden Schwindelgefuehl beinahe. Stolpernd zwaengte sich an dem zusammenbrechenden Wachmann vorbei vorbei und hastete durch das Solar. Sie war kaum in den Gang zum Speisesaal gebogen als sie das hinter sich das Schaben der marmornen Krallen auf dem Boden hoerte, und beschleunigte nochmals ihre Schritte. Sie stiess die Tuer des Speisesaals auf, lief laengs ueber den Tisch und blickte im Lauf nach rechts. Die Phiole stand noch immer gut verschlossen da, Keos sei Dank. Dann hatte sie das Ende des Tisches erreicht und hechtete in den Kamin. Noch im Sprung wob sie den Hitzeschild und dehnte sich weit genug, um durch den Schornstein zu passen. Sie war noch keine zwei Meter geklettert als der Gargoyle mit solcher Wucht in den Kamin krachte, dass ihr der aufsteigende Staub Sicht und Atem nahm. Aber er kam nicht mehr an sie heran.

Am Dach angekommen legte sie sich auf die Schindeln, hustete ausgiebig und wartete, bis sie wieder einigermassen frei atmen konnte. Dann band sich ein Stueck ihres ohnehin zerfetzten Aermels um den noch immer blutenden Unterarm und zog es mit den Zaehnen fest. Danach betastete sie vorsichtig ihre Schlaefe, aber Wunde blutete nicht mehr. Geschafft. Sie zog die Rolle aus dem Aermel und zuendete eine neue Kugel an. ‘Mal sehen, was wir da eigentlich haben.’ murmelte sie und rollte das Dokument auf. Oben war eine Art Logo zu sehen, eine dunkle schleichende Gestalt mit dem Wahlspruch 'Leise - Zuverlaessig - Diskret' kreisfoermig rundherum geschrieben. Darunter stand in sauberer Handschrift:

Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu koennen dass Sie, liebe Pawi al’Tigra, durch Diebstahl dieses Dokuments in den Rang eines
Beutelschneiders dritter Klasse
erhoben werden. Bitte finden Sie sich morgen um die Mittagsstunde im Gildenhaus ein, um das Aufnahmezerimoniell duchzufuehren.

Wir hoffen, sie hatten einen erquicklichen Beutezug und verbleiben mit kollegialen Gruessen!

gez. Ka’ao
Hocherster der Diebesgilde von Kal’ul.’

Friday, December 25, 2009

Blutige Langeweile

Blutige Langeweile. Das war ihr Leben. Es ging in ihrem Beruf um nichts anderes. Als Assistentin im Zentrallabor analysierte sie nun mal Blut. Blut von Menschen, die man noch nie gesehen hatte und mit wenigen Ausnahmen niemals sehen wuerde, anonymes, rotes Leben in kleinen Glasroehrchen. Ab in den Zentrifugator, rein in den Hitachi, den Ausdruck auf Plausibilitaet pruefen und ab damit in die Hauspost. Bei Dates punktete sie damit immer bei der Frage, was denn ihr Beruf waere. ‘Blutige Langeweile’, sagte sie dann und erntete damit zumindest ein Laecheln. Wenn es nur nicht so wahr gewesen waere.

Ausserdem blutete sie schon wieder wie ein abgestochenes Schwein. War das wirklich schon wieder vier Wochen her? Waehrend sie auf den Ausdruck der naechsten Ergebnisse wartete, sah sie auf die Uhr und atmete auf. Nur noch eine Stunde, dann war auch dieser Arbeitstag vorbei. Und dann ab heim zu Robert. Er wartete auf sie.

Robert war gestern abend vorbeigekommen, eigentlich, um mit ihr Schlusszumachen. Es funktionierte nie besonders lange mit ihren Maennern, nach einiger Zeit wuerden immer sagen dass ‘es nicht an ihr liege’, sondern sie ‘noch fuer keine Beziehung bereit waeren’, und es ‘ihre Schuld war.’.

Am besten war es da noch wenn sie vorbeikamen, eben so wie Robert gestern. Das gab ihr die Moeglichkeit noch mit ihnen zu reden, sie zu ueberzeugen, bei ihr zu bleiben. Eben so wie bei Robert gesten. Er hatte wohl vorgehabt, es ihr zwischen Tuer und Angel mitzuteilen, aber war dann doch hereingekommen. Es war fuer sie nicht ganz leicht gewesen, die Ruhe zu bewahren, und zwischen Enttaeuschung und Wut nicht die Beherrschung zu verlieren. Das war ihr frueher passiert, und es hatte die Maenner nur noch schneller aus ihrem Leben vertrieben.

Schon als sie in die Wohnung kam hoerte sie den Fernseher laufen. ‘Wir waten durch ein Meer von Blut, gib uns dafuer Kraft und Mut’ sagten die McManus Brueder und sie drueckte auf die rote Taste der Fernbedienung. Robert sass auf der Couch und laechelte, sie hatte es nicht anders erwartet. Sie drueckte ihm einen Kuss auf. ‘So mein Lieber, ich geh nur rasch ins Bad und bereite das Schlafzimmer vor, und dann verziehen wir uns dorthin.’ sagte sie laechelnd, ‘ich bin noch nicht mit dir fertig’.

Als sie Richtung Bad davonging, laechelte sie. Letztlich war er dann doch geblieben, war nicht schon mitten in der Nacht gegangen und sogar noch da gewesen, als sie eben von der Arbeit heimgekommen war. Sie konnte sehr ueberzeugend sein, und er war nicht in der Lage gewesen, ihr zu widerstehen. Es lohnte sich, sich ein paar Tricks fuer besondere Gelegenheiten aufzuheben. Er gehoerte ihr. Sie entschied, wann es an der Zeit fuer ihn war zu gehen, und nicht umgekehrt. Mit ihr machte man nicht einfach Schluss.

Nachdem sie die Unterwaesche gewechselt und sich gereinigt hatte, warf sie einen Blick in die Badewanne. Sie hatte am Morgen keine Lust gehabt die Wanne auszuspuelen, und es war noch eine Menge halb eingetrocknetes Blut da. Die Wanne wuerde sie spaeter ausgibig schrubben muessen, das wuerde dauern. Mittlerweile aergerte sie sich, dass sie es nicht gleich erledigt hatte. Sie verschaeuchte den Gedanken und ging ins Wohnzimmer zurueck.

Viel spaeter, im Schlafzimmer, hielt sie verschwitzt seinen Kopf an ihre Brust gepresst und atmete schwer. Sie wusste dass er grinste, das spuerte sie. ‘Du bist ein huebscher Kerl’, sagte sie, ‘ich konnte nicht zulassen das du gehst. Niemand verlaesst mich. Aber du hattest recht, wie passen nicht so recht zusammen, das habe ich inzwischen erkannt. Du wirst keine Gelegenheit mehr erhalten, mich zu verletzen, Robert. Zwischen uns ist es aus. Es ist vorbei.’.

Dann stopfte sie seinen Kopf in einen der Muellsaecke und verknotete ihn. Sie war erschoeft, aber die Badewanne wuerde sich schliesslich nicht von selbst reinigen.

Waehrend sie stoisch einen Fleck nach dem anderen bearbeitete und beobachtete, wie sie sich unter den kreisfoermigen Bewegungen des Putzschwammes langsam aufloesten und in duennen roten Faeden Richtung Ablauf rannen, verzog sie den Mund zu einem schiefen Grinsen. ‘Das ist wirklich mein Leben’, murmelte sie, ‘Blutige Langeweile’.

Monday, December 21, 2009

Der Moerder ist immer der Gaertner

Larissa war auf dem Weg zur Arbeit, eine von hunderten. Eintraechtig trotteten sie auf dem neuen Pfad dahin. Erst gestern hatte es wieder einen dunklen Sturm gegeben, und der alte Weg war unpassierbar geworden. Selbst zwei Dutzend von ihnen hatten die umgestuerzte Pflanze nicht bewegen koennen, und darueber hinweg zu klettern wuerde zuviel Zeit in Anspruch nehmen. Also hatten sie unruhig gewartet, bis die Kundschafter einen neuen Weg gefunden hatten. Die Arbeit wartete. Der Stamm zaehlte auf sie. Der Stamm war alles.

Frueher, so erzaehlte die Allmutter, hatte es diese Stuerme nicht gegeben. Vor rund zehn Generationen war die Welt aus den Fugen geraten, waren die Baeume verschwunden und einer eintoenigen Grasslandschaft gewichen. Davor waren keine aetzenden Fluesse durch ihr Land geflossen, waren keine dunklen Stuerme ueber das Land gezogen, hatten die Roten sie noch nicht aus ihrem angestammten Land vertrieben gehabt.

Selbst der Huegel war nicht sicher - schon zweimal in ihrem Leben hatte eine Flut das Werk Tausender zerstoert. Viele hatten ihr Leben verloren, und nur unter grossen Opfern hatte die Allmutter und ihr Hofstaat in Sicherheit gebracht werden koennen. Die Reparaturen konnten nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, und nocheinmal so viele starben im darauffolgenden Winter.

Sie stolperte und waere beinahe gefallen, und ihre Hinterfrau lief in sie hinein. Schnell rappelte sie sich auf und beeilte sich zu den vorderen aufzuschliessen, die natuerlich nicht gewartet hatten. Haette sie sich umgesehen, haette sie einen abschaetzigen Blick in den dunklen Augen gesehen, gepaart mit der ungestuehmen Arroganz der Jugend.

Gut, sie war nicht mehr die Juengste, und an kuehleren Tagen fiel ihr das Aufstehen bereits schwer. Wuerde sie hier fallen und liegenbleiben, niemand wuerde sich um sie kuemmern. Sie war alt, konnte nicht mehr so schnell ernten, nicht mehr so viel tragen, wurde ungeschickt und sah schlecht. Sie waere kein grosser Verlust. Als sie jung gewesen war, hatte man den alten Arbeiterinnen noch Respekt gezollt, sie geehrt fuer ein Leben voller Fleiss und Hingabe fuer den Stamm. Es war eine andere Zeit gewesen, eine Zeit des Ueberflusses. Doch das Leben war hart geworden nach dem Roten Krieg.

Der Sieg des Stammes war gewiss gewesen. Zehntausende ihrer Schwestern maschierten in Reih und Glied, eine unueberschaubare Masse gleichgeschaltener Leiber, voll Wut und Zorn auf ihre verraeterischen Nachbarn, die einen kompletten Arbeitstrupp vernichtet hatten.
Kein Gegner dieser Welt haette sie aufhalten koennen, sie waren eine Naturgewalt, bereit zu schlagen und zu zerstoeren, zu zerstueckeln und zu toeten, den Wohnhuegel der Gegner bis auf die Grundmauern niederzureissen und nichts und niemanden am Leben zu lassen.

Doch ihr Gegner war nicht von dieser Welt gewesen. Die Schamanen der Roten hatten den Himmel beschworen, und der Himmel hatte sie gehoert. Schon von der Weite hatte man das Roehren kommen hoeren, die praechtige Armee war in heilloser Flucht zerstoben. Zu tausenden wurden sie unter dem dunklen Himmel davongeweht, nach oben gesaugt und blieben fuer immer verschwunden. Nur einige hundert hatten ueberlebt. Die Roten hatten danach kurzen Prozess gemacht, hatten ihr Gebiet verdoppelt und sie vertrieben. Es war ihnen nichts anders uebrig gebliben als sich ausserhalb des neuen roten Reviers eine neue Heimstatt aufzubauen.

Waerend sie die Blaetter von Laeusen reinigte entgingen ihr die Blicke der anderen nicht. Sie war eine Belastung geworden, dachte sie mit leisem Bedauern, sie, eine der besten Ernterinnen ihrer Generation. Sie wusste, dass sie diesen Winter nicht ueberstehen wuerde, doch es war ihr gleich. Nur wenige hatten ein so hohes Alter erreicht wie sie, und sie hatte ein gutes Leben gehabt. Ein einfaches Leben, gewiss, aber ein gutes Leben. Oft hatte sie im Fruehjahr neidisch auf die höheren Kasten geschielt, ihnen ihr Glueck missgoennt. Fuer ihresgleichen hatten die Maenner niemals auch nur einen Blick uebrig gehabt. Sie wuerden sich niemals mit einer einfachen Arbeiterin abgeben, das wusste sie, und akzeptierte es widerstrebend. Doch das Fruehjahr ging, die Maenner ebenso, und der Alltag kehrte wieder ein - es war fuer alle besser so. Der Stamm funktionierte ohne all diese Aufregung besser.

Sie sah zum Himmel, der sich inzwischen leicht roetlich gefaerbt hatte. Es war an der Zeit, fuer die Nacht heimzukehren. Die Kollonne formierte sich, fast wie von selbst, und trat ihren Weg an. Ihre alten Ohren hoerten das Geraeusch als letzte, ein tiefes Brummen, und ein einstweilen leichter Windhauch, der in dieselbe Richtung blies. Um sie herum stobten die Arbeiterinnen auseinander, doch es war zu spaet. Sie spuerte den gewaltigen Sog, wurde in die Dunkelheit hochgehoben und befand sich bereits viele dutzend Koerperlaengen ueber dem Boden, als sie von einem riesigen, rasend schnellen Etwas getroffen wurde. Dann war nichts mehr.


‘Allmutter, ein dunkler Sturm hat die Arbeitskolonne 124 vernichtet. Wir vermuten, dass die Roten Schamanen wieder am Werk waren. Wir konnten sie nicht retten.’
Die Koenigin seufzte. 124 war eine gute Kolonne gewesen, und hatte viel Nahrung fuer den Stamm gebracht. Sie wuerde schwer zu ersetzen sein. ‘Danke, du kannst dich wieder um die Eier kuemmern’, sagte die Koenigin und sah die Amme hinaustrippeln. Sie legte noch zwei duzend Eier, bevor sich die Welt um sie aufzuloesen begann.


Karl stellte den Rasenmaeher ab. “Das habt ihr nun davon, Scheissviecher”, dachte er missmutig. Heute waren sie sogar auf seinen Tomatenstraeuchern rumgekrabbelt. Was zuviel war, war zuviel. Nun, sie hatten dafuer bitter bezahlt. Er hatte den ganzen verdammten Huegel niedergemaeht, und trotzdem krabbelten einige der Biester noch in den Resten ihres Haufens herum. Er presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. ‘Ihr kommt mir nicht davon’, murmelte er und schritt Richtung Brunnen davon.

Tuesday, November 24, 2009

Schreibwerkstatt die sechste

Hallo ihr Lieben,

ratzfatz (ein Wort das ich schon immer verwenden wollte) die Schreibwerkstatt von dieser Woche. Wir hatten zuerst eine Sci-Fi Geschichte zu schreiben, kurioserweise auf Basis einer Folge der Maus am Mars. Unsere Kursleiterin hat hier einen etwas skurrilen Sinn fuer Humor, wie es scheint. Ich hab die Folge jedenfalls nicht mitbekommen da mal wieder zu spaet dran, und nur erfahren dass es um die Maus geht, die auf einen Robotermausplaneten landete. Auch gut. Ich kann ohnehin keine witzigen Mausgeschichten schreiben, wo Tiere in Kaffeemuehlen rumfliegen, also machen wir eben klassische Sci-fi draus :)
NEUE ZIELE
Kein Wunder dass sie enttaeuscht war. Vierzehn Spruenge, zwei Drittel der Kristalle verbraucht, und das Beste das sie gefunden hatte waren diese Metallmaeuse. Nun, sie waren besser als die Wolkenwandler von Riege Sieben, und mit sicherheit besser als die Pseudorobben von Proximo 9. Die waren nicht nur agressiv, sondern auch dumm wie die Nacht gewesen. Seltsam, wie oft so etwas Hand in Hand geht.
Sie war in einem Anfall voelliger Einsamkeit aufgebrochen, verloren in den scheinbar unendlichen Weiten des Mars, verloren in kalter, roter Leere. Hatte gerade noch den Impuls unterdruecken koennen, zur Erde zu fliegen in der unsinnigen Hoffnung, die Orbitale nochmals austricksen zu koennen. Und wozu auch. Wenn die dort im selben Tempo weitergemacht hatten, duerfte der Mars inzwischen vergleichsweise Lebensfreundlich sein.
Also hatte sie die andere Richtung gewaehlt, die Orbitale nur kurz und oberflaechlich nach den aktuellen Hochrechnungen fuer Klasse E Planeten gehackt und sich auf den Langen Sturz durch den Raum begeben, durch nicht nur scheinbar unendliche Weiten, inmitten wahrer Kaelte.
Und nun war sie hier. Umgeben von Robotern, die ihr selbst so aehnlich waren, dass es schwer war, an einen Zufall zu glauben. Primitv aufgebaut, sicher, einfache Mechanik und Rollen um siech fortzubewegen, aber die KI war einwandfrei. Und sie waren ihr freundlich gesinnt, das haette sie auf der Erde nicht erwarten duerfen.
'So schlecht ist es auch nicht. Ich werde hier bleiben.' dachte sie. Vielleicht konnte sie ja sogar die zentrale KI hacken und... nein, nicht schon wieder, nicht noch ein Exil. Auf dem naechsten Strafplaneten haette sie vielleicht nicht das Glueck, en nur leicht beschaedigtes sprungtaugliches Schiff irgendeiner Zivilisation zu finden.
Nein, diesmal wuerde sie Brav sein. Angepasst. Angemessen unterwuerfig. Zumindest eine Zeit lang. Sie lachte leise. Die Blechkoepfe wuerden schon noch sehen, wen sie sich da eingehandelt hatten.

Danach, ein etwas harter Sprung, sollten wir eine kurze Ballade, ohne viel wert auf Versmasz oder gute Reime zu legen. Folgende Woerter sollten vorkommen:

Blut
Nacht
Herz
Gasse

Hier also die Ballade:
Die Zeit war reif, der Vollmond schien
und ihn zog es zum jagen hin.
So schritt er hinaus in den dunklen Wald
passe nicht auf und geriet in - 'nen Hinterhalt

Nun wankt er durch die Gasse, ihm ist Kalt
in Fetzen gehuellt, doch von maecht'ger Gestalt
Das Licht ist schlecht man sieht's nicht gut
doch nicht nur sein Messer ist voller Blut

"Es ist geschafft, es ist vollbracht"
schreit er lauthals durch die Nacht
Es schien ihm Legende, ein aberglaeub'scher Scherz
doch er traf ihn, den Werwolf. Mitten ins Herz.

Ich gebe zu es hat mir viel Spass gemacht, das hier zu dichten.
Zum Schluss sollten wir noch einen inneren Monolog schreiben, zu diesem Video hier:



Nimm an, du haettest nur eine Chance, deine Bestimmung zu erfuellen. Wartest eine Ewigkeit darauf, deine Zuege zu machen, in deinen fuenf Minuten des Ruhms zu vergluehen. Wer hoch hinauf will, kann tief fallen, sagen sie, aber das ignorierst du, denn DU wirst nicht fallen.
Aber natuerlich faellst du, faellst nach nur einem schlechten Zug, hattest nie die Chance zu gluehen, faellst unendlich tief, und wirst mit dem Absatz in den Dreck getreten.
Du haettest es besser verdient gehabt, denkst du.
Aber das denken sich alle.


Das wars fuer dieses Mal. Danke fuers mitlesen :-)

so long
Richie

Schreibwerkstatt die fünfte

Hallo ihr Lieben!

Hier die schreibwerkstatt von letzter Woche. Zuerst gab es, quasi als Aufwaremuebung, einen Haiku zu tarotkarten zu schreiben. Ich hatte Zwei Hexen vor verfallenen Burgen und einem Vollmond. Rausgekommen ist
Der Vollmond hilft der
Zauberglut, mit Hut zaubert
sichs nochmal so gut.

Soviel zu den Haikus.
Danach hatten wir folgendes Bild bekommen.
Dazu galt es eine Fabel zu schreiben.

Es gab einmal eine Seehundkolonie, in der ein Seehund lebe. Er war erfahren, stark und klug, so klug ein Seehund eben sein kann. In der Jagt gab es niemanden, der es mit ihm aufnehmen konnte. Fisch um fisch schleppte er heran, und viele, die sonst verhungert waeren, lebten dank ihm noch viele Jahre.
Waehren Seehunde nicht farbenblind, waere er sicherlich das Alphamaennchen der truppe geworden, doch sie sind es, und er war... bunt. Nun muss man dazu wissen, das Orcas sehr wohl Farben sehen, und fuer ihr Leben gerne Seehunde Fressen. Bloss, so ein Seehund, der ist grau, oder schwarz, oder irgendetwas dazwischen, aber mit sicherheit nicht Tuerkis. Orcas sind da die Bauern des Meeres, und was sie nicht kennen, fressen sie nicht.
Und so blib der bunte Hund ungeschoren, egal wo und wann er schwamm, und seine Kollegen argwoenten, er haette ein Geschaeft mit den Ocas gemacht. Er gab ihnen Tipps wann und wo sie am besten seine Brueder und Schwestern fangen koennten, und dafuer blib er selbst ungeschoren. Dieser Verraeter.
doch die Zeiten waren schlecht und er brachte viel fisch und - was sollte man da machen? Und so blieb er ungeschoren, und allein.
Und es begab sich zu dieser Zeit, dass einer jungen Seehuendin dasselbe wiederfuhr. Sie war organe, doch das wusste sie natuerlich nicht. Und war allein.
Es kam wie es kommen musste. Ausgegrenzt und ohne Gesellschaft machte Gelegenheit Liebe, sie wurden ein grosses Fischfaengerpaar und bekamen viele Kinder. Doch sie zogen sie alleine auf, enttaeuscht von der Gesellschaft der sie soviel und die ihnen nichts gegeben hatte. Und so starben ihre Kinder allesamt, wurden Opfer der Orcas, denn sie hatten nicht das Glueck, so bunt wie ihre Eltern zu sein. Denn ihre Eltern konnten ihnen keine Vorsicht lehren. Sie hatten sie selbst nie erlernt.

Moral: Wenn du nicht weisst warum etwas funktioniert, kannst du es nicht lehren.

Nach dieser Fabel bekamen wir ein weiteres Bild:
Sowie einen Audioschnipsel zu hoeren, in dem Jemand in Wien Schwechat landet. Daraus galt es eine Kurzgeschichte zu schreiben, dessen Anfang hier dargebracht werden soll. Anfang deshalb, weil es eine Kurzgeschichte ist und ich noch keinen Schimmer ahbe wie ich sie abschliessen oder wie sie weitergehen soll. Ich hatte keine Lust mir einen wirklichen Plot zu ueberlegen und nur so vor mich hingeschrieben.
Wien Schwechat. Ein kleiner Provinzflughafen im Nirgendwo. In Oesterreich, verbesserte sie sich im Gedanken. Nicht das das einen grossen Unterschied gemacht haette, das ganze Land hatte kaum mehr Einwohner als Atlanta, und diese 'Stadt' haette gut und gerne auf ihren Flughafen gepasst.
Verdammt, was hatte sie sich nur dabei gedacht? Alle hatten sie aus guten Gruenden fuer verrueckt erklaert, spaetestens, als sie rausgefunden hatten dass sie nicht nach Australien flog. 'Weiss der Himmel warum ich ihm meine Telefonnummer gegeben habe', scholt sie sich zum hundersten mal, 'wohl zuviel Wein, und er war schon sehr charmant. Auf seine eigene, provinzielle Art und Weise.'. Ja, vermutlich war es das gewesen, die erfrischend unkonventionelle Art wie er bemerkenswertes Fachwissen ueber die Austellung mit jenem Brachialhumor verbunden hatte, dem sie auch bei ihren Schilehrern nie hatte wiederstehen koennen.
Danach hatten sie sich aus den Augen veloren, und er hatte sie zwei Tage spaeter angerufen. Wie er das gemacht hatte, war ihr auch voellig unklar. Hatte sie ueberzeugt ihn zu besuchen, auf einen 'Steifzug durch das grosse Oesterreich'. Sechstausend Flugmeilen fuer einen Streifzug. Etwas viel fuer ein Land, dass sie ja aus Sound of Music ohnehin kannte. Und dem Bunten Pfadfindergrueppchen am anderen Ende der Halle nach war dieser Film ja nicht einmal viel zu kitschig gewesen...
So meine Lieben, das wars fuer heute, vielleicht schreib ich die Geschichte ja nochmal fertig, dann bekommt sie einen eigenen Post.

so long
richie

Tuesday, November 17, 2009

Schreibwerkstatt die vierte

Hallo ihr lieben,

seit dem letzten Post is ein wenig Zeit vergangen. Die Schreibwerkstatt ist zweimal ausgefallen, und wir hatten absurde Mengen an Arbeit.

Diesmal gab es also nur zwei Aufgaben. Die erste war, neue Texte fuer Zigarettenschachteln zu finden, ihr wisst schon, diese Rauchen macht Impotent und Rauchen toetet Sticker, allerdings mit freier Aufgabenstellung. Ziel wars, ironische oder witzige Texte zu finden. 10 Minuten oder so waren dafuer Zeit.

Meine Ergebnisse:
Immer noch besser
als besoffen autofahren

Ungesund?
Echt jetzt?

Ich höre morgen
damit auf!


Zweiter Teil, und spannender, war eine Kurzgeschichte. Inspiration war eine Szene aus einem alten Hitchcock streifen, der Unsichtbare Dritte. In der vorgespielten Szene sah man, wie ein Mann, augenscheinlich entfuehrt und zwischen zwei schweigsamen Schlaegern sitzend, zu einem Landhaus gefuehrt und dort in der Bibliothek eingeschlossen wird. Kurz darauf Betritt der Mann des Hauses, Lester Townsend, die Bibliothek.
Hier also die Kurzgeschichte dazu:
Das ist also Lester Townsend. Der Mann ist Mitte Dreissig, und steht in seinem massgeschneiderten Anzug da, als koennte ihn nichts und niemand etwas anhaben. Nun ja, fuer diese kleine Welt hier mag das ja sogar stimmen. Allein Seine Krawatte kostet mehr als ich in einem Monat verdiene.
'Phil', sagt er in jovialem Tonfall, 'Ich darf sie doch Phil nennen, nicht wahr?'
'Gerne Lester', sage ich mit breitem Laecheln, 'Danke fuer die Einladung', und schuettle seine dargebotene Hand. Sein Laecheln flackert nicht einmal. Falls ihn meine Antwort und die Art, in der sie gebracht wurde, ueberrascht hat, laesst er es nicht nach aussen dringen. Nun, eigentlich hab ich ja nicht gelogen: eine vorgehaltene 45er ist eine Einladung, wenn auch eine etwas nachdrueckliche.
'Phil' sagt er, nachdem wir Platz genommen und ich mir eine seiner Zigarren angezuendet habe, 'Phil, Sie haben da ein Problem. Sie sind neu in der Stadt, und vermutlich kennen Sie die Regeln hier noch nicht. Sehen Sie', er macht eine bedeutungsschwere Pause und zieht an seiner eigenen Havanna. Ich fuehle mich ein wenig klein, aber verdammt, es ist unmoeglich, sich vor diesem Schreibtisch nicht klein zu fuehlen.
'Sehen Sie', wiederholt er, 'es besteht hier kein Bedarf fuer einen Schnueffler. Genaugenommen besteht nicht einmal ein Bedarf fuer einen neuen Buerger. Wir moegen hier niemanden, der unsere Ruhe stoert.'
Ich sage nichts. Es gibt auch nichts, was ich darauf sagen koennte. Er steht auf und spricht im Gehen weiter 'Aber ich habe ein Angebot fuer Sie, Phil. Ich habe', er macht eine Pause, als wuerde er nach dem richtigen Wort suchen 'Erkundigungen ueber sie eingezogen und weiss, was ihr' noch eine Pause ' eigentliches Fachgebiet ist. Ich biete Ihnen genuegend Geld, um sich in einer anderen Stadt eine Bleibe zu suchen, ein nettes Haus mit Garten, vielleicht sogar ein Swimming Pool. Nicht die schaebige Zweizimmerwohnung, in der sie jetzt leben.'
Ich zucke mit den Achseln. Die Alternative ist ohnehin zu offensichtlich, und eigentlich ist es ein gutes Angebot, auch wenn ich solche Jobs nicht mehr machen wollte. 'Na Gut', sage ich also. 'Wer soll also den Unfall haben?'
Lester Townsend daempft im stehen seine Zigarre aus, setzt sich und sieht mich an, abschaetzend, als wuerde er nochmals pruefen wollen ob ich wirklich der richtige fuer den Job bin. Es dauert eine Ewigkeit, bis er wieder spricht, und als er es schliesslich tut, bin ich so verbluefft, dass ich ihn mit offenen Mund ansehe. Er scheint es erwartet zu haben und sagt es noch einmal. Ich habe Muehe, meinen Mund zu schliessen. Dann nicke ich.

Zwei Monate spaeter brate ich Steaks am Grill neben meinem Pool. Der Geruch erinnert mich an etwas, und ich denke an Lester Townsend. Nicht zum ersten Mal frage ich mich, warum er mir diesen Auftrag erteilt hat. Warum wuerde man ueberhaupt irgendjemandem so einen Auftrag erteilen?
Dann ruft mich einer meiner neuen Nachbarn und reisst mich aus meinen Gedanken. Waehrend ich ihnen ein froehliches 'Hey Jim, hey Kelly, kommt rein, die Steaks sind fast fertig!' zurueckrufe, schüttle ich die Erinnerung ab. Lesters letzter Auftrag wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Er hat es mit ins Grab genommen.


bis zum naechsten Mal!

so long
richie

Tuesday, October 27, 2009

Janes Tagebuch

Er las wieder in Janes Tagebuch. Denn es war alles, was ihm von Jane geblieben war.

Eine Traene rann ueber sein Gesicht, als er die unbeholfene Skizze einer Blume erblickte. Er erinnerte sich: sie waren spazieren gegangen, an einem wunderschoenen Sonntagmorgen im Fruehling 79. Er hatte ihr Maigloeckchen gepflueckt und sie hatte ueber das ganze Gesicht gestrahlt. Bei dieser Erinnerung verzog sich sein Mund ungewollt zu einem abwesenden, melancholischen Laecheln. Wie sehr er sie doch immer noch liebte.

Seine Gedanken irrten ziellos umher, verschwommene Bilder tauchten vor seinem inneren Auge auf, als haette ein Kind mit einer Kamera gespielt.

Klick. Jane und er bei einer Partie Scrabble. Klick. Jane, die sich anmutig zu leiser Musik wiegt. Klick. Jane, die Toms Bild mit einem Feuerzeug anzuendete. Klick. Jane in seinen Armen, von Weinkraempfen geschuettelt. Klick.
Er schuettelte unwillig den Kopf. Er wollte sich nicht an die schlechten Zeiten erinnern. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit.

Sein Blick wanderte zurueck zu Janes Tagebuch. ‘Liebes Tagebuch’ stand da, und am rechten Rand der Zeile: 18. September 1981. Das ist falsch, dachte er, das ist das falsche Datum, nicht dieser Tag. Er hielt das Buch mit dem Kleinen und dem Zeigefinger und blaetterte mit dem Daumen zurueck. Haette er beide Haende verwenden koennen, waere es einfacher gewesen, aber so...
Seite um Seite blaetterte er zurueck, vergebens. Immer wieder tauchte derselbe Eintrag auf der Seite auf. Nur die Schrift aenderte sich, wurde verwaschener, wurde groesser, wurde unruhiger, als waere der Eintrag in grosser Hast oder unter Schmerzen geschrieben worden. Das Buch schrie ihm das Datum entgegen, den 18. September 1981.
Dieser verfluchte Tag, dachte er und schoss die Augen.

Klick. Jane und Andy, in inniger Umarmung. Klick. Jane und Peter, kuessend. Klick. Jane, die Haende auf den Bauch gepresst, die Augen voll Schmerz. Klick. Jane am Boden, in der langsam groesser werdenden Lache ihres Blutes. Klick.

Sein Blick wanderte wieder zu seiner Hand, aber sie war leer. Er hatte den Fokus verloren. Konzentriere dich, mahnte er sich, reiss dich zusammen. Langsam konnte er die Umrisse wieder erkennen, dann endlich schaelte sich das Tagebuch aus duenner Luft wie Jack the Ripper aus einem Schatten der Dorset Street. Da war es wieder, aufgeschlagen am 18. September 1981.

Diese Seite hatte er niemals gelesen, er wuerde sie auch nicht lesen, niemals. Es war nicht seine Schuld gewesen. Sie haette das nicht sagen duerfen, nicht so, nicht auf diese Art, nicht mit diesem mitleidigem Blick. Sie haette ihn nicht so behandeln duerfen. Ihn, der seinen ganzen Mut zusammengenommen hatte. Ihn, der ihr endlich seine Liebe gestanden hatte. Ihn, der immer fuer sie da gewesen war. Er hatte mehr verdient als Mitleid.

Die Bastarde, die sie nach Hause gebracht hatten, hinterliessen immer nur Scherben und Truemmer, und er hatte sich dann um sie gekuemmert, er hatte ihr Mut zugesprochen, er hatte die Bruchstuecke ihres Egos aufgesammelt und wieder zusammengefuegt, ein ums andere Mal. Niemand haette diese Undankbarkeit ertragen koennen. Nein. Es war nicht seine Schuld gewesen.

‘Moechten Sie noch etwas sagen?’. Die ueberraschend sanfte Stimme des Direktors riss ihn aus seinen Gedanken. Er dachte nach. ‘Wuerden Sie mir noch ein letztes Mal das Lied vorspielen?’.
Bedauernd schuettelte der Direktor den Kopf ‘Sie wissen, dass ich das nicht tun kann.’
Er nickte. Auch gut. In Janes Tagebuch war ohnehin nie Platz fuer ihn gewesen.

Der Direktor gab jemandem den er nicht sehen konnte ein Zeichen, und er hoerte ein leises Zischen. ‘Seltsam’, dachte er kurz bevor sein Leben in einem Inferno aus Schmerz und Kraempfen verging, ‘man spuert es kaum.’

[inspiriert von 'The Diary of Jane' by Breaking Benjamin]

Friday, October 23, 2009

schreibwerkstatt die dritte

Hallo ihr lieben!

der post zu dieser schreibwerkstatt besteht aus zwei teilen. hier zuerst das in der schreibwerkstatt erstellte material.

zum aufwärmen gabs wieder mal ein haiku zu schreiben, zu ebenjenem rosenbild das rechts zu sehen ist (10 Minuten)
aber schau, ist doch klar
rosengleich wächst immerdar
die liebe, fürwahr

als nächstes gab es eine gruppenarbeit mit dem Biosphäreteil der Gebrauchsinformation für den Planeten Erde. Diese galt es, kompakt zusammenzufassen, ironisch oder ernstgemeint. Ich hab mich dabei - mäßig kreativ - für ironie entschieden.
Es ist schwierig, sich gegen die Masse zu stellen, müßig, es zu versuchen, mühsam, sich zu erklären, teuer, Fairtraide zu kaufen und vergeblich, Geschmack in vegetarischer Küche zu suchen. Dabei muss man kein Märtyrer sein um die Welt zu verändern, wenn man nur darauf verzichtet, sie besser machen zu wollen.

Einfache Tipps, damit die Welt nicht so bleibt, wie sie ist:
  • Iss mehr als 125 Kg Fleisch, vorzugsweise Rind. Es hat die schlechteste Kalorienbilanz.
  • Beziehe dein Fleisch aus abgeholzten Urwaldgebieten, aus deren Hölzern du dir zuerst Möbel gekauft hast. So wirken das CO2 doppelt.
  • Vergiss nicht die Hochseefischerei zu fördern und iss Fisch, vorzugsweise Scholle. Die Haie haben's nicht besse verdient.
  • Kaufe immer solches Gemüse & Obst, dass gerade keine Saison in deinem Gebiet hat. Kaufe aber in jedem Fall das billigste - nur hier sind die Produktionsbedingungen garantiert miserabel.
  • letztlich: fördere niemals Programme zur Arterhaltung oder Biodiversität. Diese ganzen unnützen Tiere und Pflanzen dienen ohnehin nur als Arbeitsbeschaffung für Biologen.
Zum Schluss gab es einen kurzen Krimi zu schreiben. Als Inspiration diente ein Filmausschnitt, in dem ein recht irrer Mann mit einer über seine Hand gestreiften Socke spricht und man danach kurz eine am Boden liegende Frau im Nebenraum sieht.
Diese Geschichte hat mich zwar zu einem Krimi inspiriert, der aber im endeffekt ganz anders geworden ist und auch ausserhalb der Stunden vollendet werden musste, ob seiner länge. bin dort kaum damit fertig geworden, die Story grob zu skizzieren, weil ich mich dauernd in logikfehlern verfangen hab.. 'aber WARUM sollte er das machen?' :-)

Hier also meine erste belletristische Kurzgeschichte: Nummer 18.

so long
Richie


Nummer 18

“Joe. Schoen Dich zu sehen.’ sagte Pete und erhob sich, um seinen alten Freund zu begruessen. Joe sah beeindruckend aus. Er verstroemte Selbstvertrauen aus allen Poren, als er das maessig besuchte Lokal betrat. Was nicht zuletzt von den brandneuen Leutnantsabzeichen herruehren mochte, die er auf dem Revers seiner gut geschnittenen Uniform trug. Er hatte den Zeugmeister bestochen, gar keine Frage.
“Hallo Pete. Es ist lange her, aber du weisst ja, der Mord an Joshua Green.. ‘
‘.. der dir diese Schulterstuecke eingebracht hat, wie ich hoere ..’
‘ .. naja, ja, aber jedenfalls hat er mich ganz schoen auf Trab gehalten. Was fuer ein krankes Stueck Scheisse - und reiner Zufall, dass wir ihn gefunden haben. Ich meine, das war reines Glueck. Wir waren so knapp dran, ihn als ungeloesten Mordfall zu den Akten zu legen.’ Er runzelte die Stirn, als ob er noch immer ob dieser Tatsache irritiert waere, ‘ und haetten uns gedacht, dass er ein armes, unschuldiges Opfer irgendeines Irren waere. Stell dir das mal vor: der fleissigste Serienmoerder der letzten zwanzig Jahre wird ermordet, und niemand erfaehrt wer er war.‘
Pete grinste und imitierte eine alte Frau: ‘Klar, mein Nachbar, ein netter Mann, hat mir immer geholfen die Taschen raufzutragen, ein wenig schuechtern und zurueckgezogen, aber ein netter Mann’.
Joes zuege wurden hart. ‘Sein Moerder haette ihn in Streifen schneiden sollen, wen du mich fragst, wie seine 36 Opfer, und...’
‘Jetzt setz dich mal.‘ meinte Pete beschwichtigend und schenkte aus der Bierkaraffe in das bereitgestellte Glas, ‘und erzaehl mir, wie ihr das rausgefunden habt.’

Joe nahm Platz und einen grossen Schluck. ‘Aaah. Das Ganze begann wie ein brutaler Mordfall. Opfer: Joshua Green, Mitte 50, einsfuenfundsiebzig, Bauchansatz und Halbglatze. Einbruch in die Wohnung, gefesselt und recht gekonnt gefoltert. Das muss eine Zeit lang gedauert haben. Jede Menge Blut. Die Nachbarn werden aufmerksam, weil auf der Tuer am naechsten Morgen 666 geschrieben steht, mit Blut, wie wir spaeter feststellen. Die Autopsie ergibt: der Mann ist erstickt. Die verdammte gestreifte Socke mit der er wohl zuerst geknebelt wurde, ist so weit in die Kehle gerammt worden, dass wir sie nicht gesehen haben.’
Pete hob eine Augenbraue. ‘Moment, eine Socke? ‘ fragte er zweifelnd, ‘Der Johanneskiller, der Schnitter von New Orleans, der Moerder der Offenbarung - der ist durch eine Socke gestorben?’
Joe nickte ‘Ja. Eine Socke. 18 Streifen. Jedenfalls, der Fall kommt also nicht zu den Akten. Die Details sind irgendwie an die Presse geraten, aber sie wollen auch keine Ressourcen drauf verschwenden. Also geben sie ihn mir. Jung, dynamisch, herzeigbar..’
‘Billig.’
‘..und billig, ja. Ich grabe also, und ich grabe wochenlang: Spurensuche, Forensik, Nachbarn, Bekanntschaften, alles fuer nichts. Zum Schluss nehme ich mir die Favoriten seines Computers vor - darauf haette ich frueher kommen koennen, verdammt - finde da eine Seite namens MapMyHike, kennst du die?’
Pete dachte einen Augenblick nach. ‘Ja’ meinte er dann, ‘da kann man seine Wandertouren planen, mit Hoehenmetern und so, nicht wahr?’ Joe nickte. ‘Sein Account war gespeichtert, mitsamt einer Menge selbstangelegter Touren. Begeisterter wanderer, aber das wussten wir schon. Das Seltsame war - einige, vielleicht zwei Dutzend davon, fuehren ins voellige nirgendwo, mit gleichem Rueckweg.
Das macht mich neugierig, und ich zeichne die Endpunkte auf eine Karte und haeng' sie auf das CHC-board’
‘CHC - board?’
‘Ach ja, entschuldige, das war ja nach deiner Zeit. Cops Helping Cops, eine Art grosses Whiteboard in der Eingangshalle, auf der im Allgemeinen Weiss-Wer-Was-Dazu-Fragen aus aktuellen Ermittlungen aufgehaengt werden. Funktioniert recht gut eigentlich, oft wissen die Jungs aus der Drogenfahndung ja etwas, was uns nicht eingefallen waere oder so. Jedenfalls steht am naechsten Morgen Turpin vor meinem Tisch.’ Pete schnaubte veraergert, aber Joe fuhr ungeruehrt fort: ‘Ich weiss, er ist ein Arsch, aber er hatte hier den Schluessel. Er hatte die meisten der Orte wiedererkannt: es waren jene, an denen man die zerstueckelten Frauen gefunden hat.’
‘Und dann habt ihr euch die Orte angesehen, die ihr noch nicht kanntet’ vermutete Pete.
‘Klar’ sagte Jim, ‘wir haben das Blaulicht angeworfen und sind ab in die Berge. Echt entlegene Stellen, aber wir haben alle ausstaendigen Leichen gefunden. Die Nummern 11, 22 und 32, in ebensovielen Teilen. Auf einem der Kleidungsreste haben wir Haare gefunden, und ein DNA-Test hat die letzten Zweifel ausgeraeumt. Joshua war tatsaechlich der Johanneskiller, und ... Moment.’ Joe nahm sein vibrierendes Handy aus der Tasche, klappte es aus und horchte aufmerksam.
‘Aha’, antwortete er der offenbar weiblichen Stimme, ‘Okay, bin unterwegs.'

'Tut mir leid’ sagte er nachdem er das Telefon weggesteckt hatte, ‘du weisst ja, wie das bei der Mordkommision ist. Ich muss los.’
Pete grinste schief. ‘Ja, ich kann mich erinnern. Einen Moment noch - was ist denn nun mit Greenes moerder?’
‘Oh, der’ sagte Joe als ob er sich gerade erst daran erinnert haette, dass es den ueberhaupt gab. ‘Den haben wir de facto zu den Akten gelegt. Der Polizeikommisar hat kein Interesse daran, einen folternden, mordenden Volkshelden zu schaffen. Ich meine, es gibt keine Anhaltspunkte, nicht wahr? Der Typ wusste worauf es ankommt wenn es darum geht, keine Spuren zu hinterlassen. Hoer mal, ich muss jetzt wirklich los.’
Nach ein paar Schritten blieb er stehen, drehte sich halb um sah in keine bestimmte Richtung.
‘Weisst du’ sagte er, ‘eines ist mir noch aufgefallen. Die achzehn Streifen auf der Socke. Und dann noch deine grosse Liebe, Sally Weisz, du haettest damals beinahe ihr zuliebe deine Frau verlassen...'. Er hielt kurz inne und wandte sich dann wieder zum Gehen. ‘Sie war das achzehnte Opfer.'

Monday, October 19, 2009

schreibwerkstatt die zweite

hallo ihr lieben!

war wieder eine coole schreibwerkstatt vorige woche. ich bin firmenbedingt zu spaet gekommen
und hab den einstieg verpasst.

zuerst ging es darum eine geschichte aus einem bild mit einer optischen täuschung zu verfassen, in meinem fall diese links.


das hab ich verpasst, und bin direkt im zweiten teil eingestiegen - die geschichte als haiku zusammenzufassen. naturgemäß ist das nicht ganz einfach, wenn man zuallererst mal keine geschichte geschrieben hat ;). in den sinn gekommen sind mir bei dem bild die baumgeister aus prinzessin mononoke. die geschichte hätte sich dann darum gerankt, dass wenn im winter der wind durch die baumkronen fährt, es nicht der wind ist den man da pfeifen hört. vielmehr sind es die baumgeister, die sich um einen platz näher am baum streiten, weil es dort wärmer ist und nicht so schwankt, wie an den astenden.

da hab ich dann festgestellt, das silbenzählen recht kompliziert ist :-) wenn man sich nicht sicher ist wo man die wörter abteilt. in jedem fall lautet mein in dem naturbezug der klassischen japanischen vorbilder gehaltener haiku zu dem bild wie folgt: (15 Minuten Zeit)
hör zu im Winter
sich zankende baumgeister
klingen wie der wind
nach diesem grossartigen ersten haiku meiner tage gabs ein video, nämlich das folgende:
http://www.youtube.com/watch?v=Na-lckxbdY8
das es auch als haiku zusammenzufassen galt (10 Minuten):
Den Falter, das Tier
Alphaformieren wir hier -
eine Orchidee

nach diesen grossartigen kurzfassungen galt es noch, zwei unabhängige textleemente zu verbinden. Wir hatten dazu einen Zettel mit sechs Textstellen, von denen wir uns zwei aussuchen konnten um einen kleinen Text quasi als Klebstoff dazwischenzusetzen.

Hier das Ergebnis, den von mir verfassten Klebstoff wirst erratbar sein, denke ich (20 Minuten).
Ich sehe diese Flamme manchmal überschwer nach rechts oder nach links ihr Gleichgewicht verlieren, einen noch schwärzeren Rauch ausstoßen und sich dann von neiem wieder aufrichten. Aber die Stadt kann ich immer noch nicht erkennen.
Ich schließe den Ofen und sehe mich um. Wie erhofft ist mein Aufseher eingenickt, hier war viel Glück mit im Spiel.
Sprung, Aufprall, Abrollen, Umsehen, flach auf den Boden pressen, warten. Ich zögere lange, obwohl ich es tausendmal im Gedanken durchgespielt habe, fast zu lange, die Stadt ist schon mehr als ein vager Schemen am Horizont. Sprung, Aufprall, Abrollen ... jetzt tu es endlich, verdammt ... Sprung, Aufprall, Abrollen, Sprung, Sprung, SPRUNG! Aufprall, Schmerz, Abrollen, Schmerz, atemloses liegenbleiben, hoffen, keuchen, mühsames auf den Bauch wälzen, dem Zug, den Waggons... nachblicken. Ja. Er fährt weiter. Ich bin Frei.
Nachdem sie verschwunden sind, vibrieren die Schienen noch zwei Minuten lang leicht und hören dann auf. Eine Rostflocke fällt. Eine Blume nickt. Das Meer rauscht sehr laut.

Die letzte übung war eine der spannenstens bisher. Es ist ja so, das einem sehr schnell zwei textelemente ins Aug springen, die zu kombinieren offensichtlich die einzig mögliche wahl unter den sechs textschnipseln ist.
Naturgemäß sieht man das nur selbst so. Ein anderes Mädel hat 'meine' beiden Texte ebenfalls kombiniert, allerdings umgekehrt. Bei ihr wurde, anstatt des Gefangenenausbruchs, eine Geschichte über das Ende einer Freundschaft und die nunmehr getrennten Wege einer Reisegesellschaft. Und auch bei den anderen waren bemerkenswerte Ideen dabei, über die ich nur staunen konnte.

so long
richard

Tuesday, October 13, 2009

schreibwerkstatt die erste

guten morgen!

hier die ergebnisse der ersten schreibwerkstatt, die ich dir nicht schuldig bleiben will. Nach allgemeiner Vorstellungsrunde hat unsere Goth-Übungleiterin mitgeteilt, dass wir nun buchstabieren würden.
Also fünfzehn Minuten Zeit dafür, mit den buchstaben des Wortes Herbst bzw. Vollmond (freie Wahl) Wörter zu finden, die man damit verbindet. Dann nochmal 10 Minuten, um sie in einem Satz, einer Geschichte, einem Gedicht einzubauen, je nach lust & laune. Ich habe Sätze gewählt.
HERBST

Hinweg
Erhaben
Ruhe
Bunt
Sommer
Tag
in einem Satz:
Hinweg ist er. Erhaben und Ruhig weicht er bunter Farbenpracht. Und so verabschiedet sich der Sommer wie der vergehende Tag.
hier das zweite wort:
VOLLMOND

Vorübergehend
O-Form
Lust
Licht
Mondphase
Oberhoheit
Neumond
Demut
in einem Satz:
nur vorübergehend spendet er, o-förmig, licht und lust - einige mondphasen später ist die oberhoheit über den himmel dahin. dem neumond - bleibt nur demut
Dann wurden wir aufgefordert, Reimwörter darauf zu finden (10 Minuten). Dabei hab ich mir, wie man am Ergebnis sieht, ziemlich schwer getan.
Hinweg -> Hauseck
Erhaben -> Besagen
Ruhe -> Truhe
Bunt -> Hund
Sommer -> Frommer
Tag -> Sarg
ein nonsens - gedicht damit zu schreiben war dann die Hausaufgabe
Von der ruhe am boden der truhe
wiewohl im sommer noch frommer
erhebt sicht bunt ein räudiger Hund
nunmehr erhaben - muss nichts besagen
schon ist er hinweg, läuft flink ums hauseck
denn an diesem tag - ist seine truhe kein sarg
zum schluss gab es eine geschichte zu schreiben. Anregung war ein gezeichnetes Bild einer recht antropomorphen katze, die vor einem großen vollmond in einer pfote einen mikrophonständer mit einer maus als mikrophon hält, und augenscheinlich singt. die aufgabe dazu war, sich in einen der beiden zu versetzen und einen kurzen inneren monolog zu verfassen.
Das sind wahrlich die besten Momente. Kritische Geister würden es wohl als kindisch bezeichnen, mit einer Maus als Mikrophon bei Vollmond Sinatras 'New York' zu intonieren, zumal das kleine Biest ein erklecklich schlechter Verstärker ist.
Aber hey - Sophie gefällt der Song, ich hab einen Heidenspaß und die Angsthormone werden unserem Moonlightdinner ein derart delikates Aroma verleihen, dass diese Katzendame nie wieder Whiskas kaufen wird, anstatt sich mit mir zu treffen.

Das wars fürs erste mal.

so long
richie